Der 11.11.: Stadtkasse leer, aber voller Möglichkeiten
Da war er wieder der Tag, den die Karnevalisten und Karnevalistinnen jedes Jahr herbeisehnen. Gegen 11 Uhr marschierten die Mitglieder des Kamenzer Karnevalsclub (KKC) auf den Marktplatz, wo sie von zahlreichen Schaulustigen erwartet wurden. Angeführt wurden sie von Prinzenpaar Jasmin I. und Martin II. sowie vom Kinderprinzenpaar Lucy I. und Finley I. Dann hieß es kurz warten, ehe eine Abordnung des Elferrates das Rathaus erstürmte (wir sollen ja kriegstüchtig werden), äh, betraten (was wiederum eher für einen pazifistischen Gedanken spricht), um sowohl den derzeitigen Oberbürgermeister Roland Dantz als auch seinen designierten Nachfolger Michael Preuß, herauszuholen, aber vielmehr noch, um den Rathausschlüssel und – mit großer Hoffnung – die Stadtkasse an sich zu bringen .
Natürlich war die Verwaltung, der Oberbürgermeister und sein Nachfolger vorbereitet, sodass auch dieses Mal die Abordnung des KKC herzlich empfangen wurden, und die Verwaltung ohne Widerstand den Anweisungen des KKC gefolgte. Dem designierten Nachfolger ergab sich damit auch die wunderbare Möglichkeit, den Beginn seiner eigenen Amtszeit bis Ende der Karnevalssaison Mitte Februar 2026 herauszuschieben. Außerdem kann er dann aus dem „Scherbenhaufen“ des vermeintlichen Sieges des KKC über die städtische Legislative und Exekutive wie Phönix aus der Asche aufsteigen.
Da die Zeremonie der Übergabe der Stadtkasse und des Rathausschlüssels dieses Mal gleich in aller Öffentlichkeit vollzogen wurde, mussten sich die Besucherinnen und Besucher auf dem Marktplatz nicht lange in Geduld üben. Doch was war das: Die Stadtkasse war leer! Zum Trost und zum Ärgerrunterspülen gab es Becherovka (aus unserer Partnerstadt Kolin), Jägermeister und zum Verdünnen Oppacher Sprudel. Ob das ausreichend wird, die Enttäuschung über die erhofften Millionen Euros zu lindern, geschweige denn zu kompensieren, darf sicherlich bezweifelt werden. Aber wenn jemand diese Situation mit Humor nimmt und sich nicht unterkriegen lässt, dann wohl der KKC, dessen Präsident Sebastian Pieper auch selbstkritisch kundtat, dass in den vielen Zeiten der Narrenherrschaft im Rathaus durch den KKC nicht viel erreicht wurde. Worauf ihm der Oberbürgermeister gleich ein hohes Amt in der Bundespolitik anbot, welches er aber dankend ablehnte.
Der scheidende Oberbürgermeister nutzte die Chance seiner Entmachtung, um sich beim KKC für all seine närrischen Aktivitäten zu bedanken. Präsident Pieper fühlte sich beim letztmaligen Aufsetzen der Narrenkappe des OBs fast ein wenig melancholisch, sah aber in Michael Preuß eine große Hoffnung, dass die Narren in der Stadt (erhalten) bleiben und es noch viele zukünftige Machtübernahmen geben wird. Ein kleines Begrüßungsgeschenk enthielt – verbunden mit einen Glückkleeblatt – den Spruch „Es gibt Zeiten, da zählt jeder kleine Schritt. Dieses Kleeblatt soll dich begleiten – als Zeichen für all das, was gerade wichtig ist: Ruhe, Kraft und gute Gedanken.“ Dagegen bekam der jetzige OB einen Beutel mit der Aufschrift „Aus dem Weg, bin Rentner“, der allerlei nützlich Dinge für sein baldiges Unruhedasein enthielt.
Das Motto des KKC lautet in diesem Jahr: „Der Wilde Westen ist famos, der KKC legt richtig los!“ In diesem Sinne forderte der Präsident alle anwesenden Kamenzerinnen und Kamenzer auf, doch fleißig die Veranstaltungen in der jetzigen Karnevalszeit zu besuchen (https://www.kamenzer-karnevalsclub.de/events-2).

