Kamenzer Oberbürger-meister 100 Tagen im Amt

Liebe Kamenzer und Kamenzerinnen,

seit nunmehr 100 Tagen bin ich im Amt und nach gutem Brauch ist es gemeinhin der Zeitpunkt, ein erstes Resümee zu ziehen. Dies kann man nach der Art „Fakten und Zahlen“ machen, also rund 400 Termine, 11 Ausschussberatungen, 4 Stadtratsberatungen usw. fanden in der Zeit statt …

… aber nein, es braucht doch eher einen ersten persönlichen Rückblick auf die Dinge.

Eine Amtszeit in der Vorweihnachtszeit zu beginnen, ist vorteilhaft, aber auch nachteilig zu gleich. Vorteilhaft in dem Sinne, dass viele Gespräche in einer besonderen und besinnlichen Zeit geführt werden können, nachteilig aber, weil die aufkommende Vorfreude auf Weihnachten die eigentlich geplante Tatkraft etwas ausbremst. Der Dezember hatte es aber trotzdem in sich. Am 2. Dezember 2025 fand meine offizielle Vereidigung im Stadtrat statt. Interessant in dem Zusammenhang war, dass mein politischer Gegner bzw. einer der aktivsten Unterstützer des anderen Bürgermeisterkandidaten im Wahlkampf an diesem Abend ein konstruktives Miteinander zugesichert hat – was davon bleibt, darauf bin ich persönlich sehr gespannt.

Bereits am 11. Dezember 2025 musste ich für eine wegweisende Entscheidung für unsere städtische Wohnungsgesellschaft eine außerordentliche Beratung des Stadtrates einberufen. Erstmals in der Geschichte der Wohnungsgesellschaft nach der politischen Wende wird im Stadtteil Kamenz Ost ein grundhafter Umbau eines Wohnblocks unter Nutzung von Fördermitteln vorbereitet. Diese Investition soll einen positiven Beitrag für die Belebung des Stadtteils leisten und die Wahrnehmung sowie die Bedeutung dieses Stadtteils verbessern.

Apropos Kamenz Ost: Hier spitzte sich Ende des letzten Jahres für rund 700 Bewohnerinnen und Bewohner die Lage zu. Ein nicht in Kamenz ansässiges Wohnungsunternehmen war in finanzielle Schieflage gekommen, was negative Folgen für die Mieterinnen und Mieter z.B. durch die Nichtbezahlung von Energiekosten durch den Vermieter an Ver- und Entsorgungsunternehmen, nach sich zog. Gemeinsam mit dem Vorstand der ewag kamenz AG haben wir uns dann Anfang dieses Jahres für einen Antrag auf Zwangsverwaltung beim zuständigen Amtsgericht entschieden. Mit großem Tempo und viel Unterstützung ist es uns gelungen, für die Mieter wieder geordnete Verhältnisse herzustellen. Dass dieses Verfahren nicht ohne Risiko ist, war allen Beteiligten klar – aber dem Treiben nur zu zuschauen, war eben auch keine Alternative. Die Ergebnisse und erreichten Ziele geben uns bis zum heutigen Tage recht.

Aus Haushaltssicht begann das neue Jahr ähnlich wie das alte Jahr aufgehört hatte. Durch die weiterhin anhaltend schwache Wirtschaftskraft wurde bereits im Januar klar, dass die Planzahlen für das Haushaltsjahr 2026 nicht erreicht werden können. Daher bestand die Aufgabe nun darin, ein Plankonzept für eine Haushaltssperre zu entwickeln, die dem Stadtrat Anfang Februar vorgestellt und erlassen wurde. Nun ist dieser Umstand für das erste Amtsjahr eine durchaus bescheidene Ausgangslage, aber mit dem Stadtrat sind wir uns einig, dass die kommende Haushaltsplanung sehr viel früher begonnen wird und wir diese Planung auf einem sicheren Zahlenwerk aufbauen werden. Den Kamenzerinnen und Kamenzern kann ich aber versichern, dass die Pflichtaufgaben vollumfänglich auch im Jahr 2026 umgesetzt werden.

Im Wahlkampf hatte ich es bereits angedeutet, dass wir (die Verwaltung) unser Handeln wieder mehr erklären müssen. Eines der zentralen Themen, welches durchaus auch immer wieder politisch instrumentalisiert wird, sind die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung. Ich hatte Mitte Januar die Möglichkeit, mit fast allen Elternvertretern der Kamenzer Kindereinrichtungen im Ratssaal zusammenzukommen und die Ermittlung, die Zusammensetzung und die Handlungsmöglichkeiten der Stadt Kamenz vorzustellen. Und ja, 318 EUR pro Krippenkind für eine 9-Stunden-Betreuung sind sehr viel Geld! Aber ich konnte nach den Erläuterungen – und es handelt sich wahrlich um eine komplexe und komplizierte Materie –Verständnis in vielen Gesichter sehen, die mir bestätigten, wir haben es verstanden und die Elternbeitragssatzung der Stadt Kamenz bietet soziale Ausgleichsmechanismen.

Der Januar schloss dann mit dem Beitritt der Stadt Kamenz zum Tourismusverband Oberlausitz ab – ein Instrument, was die touristische Bedeutung sowohl der Stadt Kamenz als auch der Region steigern wird. Auch der Winter hatte uns erstmals und seit vielen Jahren wieder fest im Griff. In Erinnerung bleibt mir dabei, die Hilfsbereitschaft von Landrat Udo Witschas. Nachdem die Streusalzvorräte aufgrund der vielen Eisregentage fast aufgebraucht waren und die Neubeschaffung nicht so funktionierte wie gewohnt, hat Udo Witschas dabei geholfen, dass die Lager wieder aufgefüllt werden konnten.

Mir persönlich geht es um ein gutes und produktives Miteinander mit dem Landkreis. So soll der Schulterschluss mit dem Landkreis Bautzen auch im Jahr 2026 mit dem Neubau des Jahnsportplatzes und der weiteren Planung für das neue Hallenbad mit Außenbecken gelebt werden. Nicht nur in Krisenzeiten rückt die kommunale Familie dichter zusammen und darauf bin ich unglaublich stolz.

Der Februar begann mit dem großen Neujahresempfang der Stadt Kamenz. Mit rund 200 Gästen wurde Rückschau auf das Jahr 2025 gehalten und Ausblicke auf die vor uns liegende Zeit gegeben. 20 Bürgerinnen und Bürger, die sich für Kamenz stark gemacht haben, wurden mit der Kamenzer Ehrenmedaille ausgezeichnet. Ein wirklich gelungener Abend, der sich bis in die frühen Morgenstunden ausdehnte.

Trotz knapper Kassen wird aber in der Stadt Kamenz weiter investiert. Am 25. Februar konnten wir beim Anbau am Lessing-Museum Richtfest feiern. In Vorbereitung des 300. Geburtstages von Lessing werden hier die musealen Bedingungen und das Ausstellungsangebot wesentlich verbessert. Bei strahlendem Sonnenschein und am ersten wirklichen Frühjahrstag im Jahr 2026 kamen rund 70 Gäste und konnten einen eigens auf Lessing geschriebenen Richtspruch vernehmen.

Sicherlich sind die ersten 100 Tage nicht ganz so verlaufen, wie ich es geplant hatte. Neben vielen wunderbaren Momenten wiegt sicherlich das Erlassen der erneuten Haushaltssperre am schwersten. Trotzdem kann ich aber nach 100 Tagen feststellen, dass dieses Amt erfüllend ist. Außerdem sei angemerkt, dass 100 Tage Amtszeit – zeitlich gesehen – nur eine Sprintstrecke ist, und es sich bei einer siebenjährigen Amtsperiode eines Oberbürgermeisters eigentlich um einen Marathon handelt, für den man einen langen Atem braucht. Aber schon jetzt helfen die vielen positiven Begegnungen über manch ungeplantes Ereignis hinweg. Und eins ist auch klar geworden, nur wenn wir gemeinsam an der Lösung von Aufgaben und Problemen arbeiten, werden wir erfolgreich sein. Das schließt konstruktive Debatten ein, aber sie sollten von gegenseitigem Respekt und Anerkennung anderer Meinungen getragen sein.

Ich kann sagen, dass ich jeden Tag mit einem Lächeln das vielleicht schönste Büro in Kamenz betrete und der Zuspruch, den ich erfahre, mich in den kommenden Monaten und Jahren weiter tragen wird.

 

Ihr Michael Preuß

Oberbürgermeister

der Lessingstadt Kamenz

Zurück