Richtfest am Kamenzer Lessing-Museum
Richtfest bei strahlendem Sonnenschein: Der zweite Meilenstein für die Sanierung und den Umbau des Lessinghauses ist getan
Bild 1 Das Richtfest kann beginnen.
Bild 2 Die Hämmer zum Nageln liegen bereit.
Nach viel Schnee, Regen, Eisglätte und Nebel wartet das Wetter am Mittwoch, dem 25. Februar mit bestem Sonnenschein auf. Der Anlass gab‘s auch her, denn es wurde das Richtfest im Rahmen der Sanierung und des Umbaus des Lessing-Museums gefeiert. Dazu hatten sich zahlreiche geladene Gäste und Besucherinnen und Besucher am Lessing-Museum versammelt, um der traditionellen Zeremonie des Dankes an die bauausführenden Firmen und Handwerksbetrieb beizuwohnen. Der Richtspruch der Firma F+S Mieting Bau GmbH wurde durch Werner Lindner hoch oben vom Dach des Neuanbaus des Lessing-Museums gesprochen. Darin heißt es u.a.: „So hieß es schon vor Jahren – doch fehlte oft das Geld, erst jetzt ist es gelungen – wir hoffen, daß es hält / Es [der Anbau – Anm. d. Verfassers] schmiegt sich an den Altbau wie Kamenz an den Berg und zeugt von guter Arbeit und fleiß’ger Händewerk / Doch bleibt es ja nur Hülle für Lessings guten Geist, der mit der Ringparabel auch uns die Richtung weist.“ (Voller Wortlaut des Richtspruches hier)
Bild 1 Werner Lindner (links) verliest den Richtspruch.
Bild 2 Und vor dem Nageln noch einmal gut in die Kamera geschaut.
Danach ging es an das traditionelle Nageln, den vielleicht peinlichsten Moment, wie eine Teilnehmerin meinte. Die Last auf sich nahmen: Dr. Sylke Kaufmann/Leiterin der Städtischen Sammlungen, Mandy Remus/städtische Projektleiterin, Oberbürgermeister Michael Preuß, Falk Mieting/Geschäftsführer der F+S Mieting Bau GmbH, Architektin Katrin Leers-Kulka/Geschäftsführerin der Peter Kulka Architektur GmbH und OB a.D. Roland Dantz (siehe auch Foto). Und man kann ihnen bescheinigen, dass es nicht peinlich war.
Bild 1 Blick in das Innere des neuen Anbaus.
Bild 2 OB Preuß hebt die Bedeutung des Lessing-Museums für Kamenz hervor.
In seinen einführenden Worten (Voller Wortlaut der Rede hier) dankte Oberbürgermeister Michael Preuß den bisherigen bauausführenden Firmen, wie der F+S Mieting Bau GmbH, der Firma Elektro Frömmelt, der ewag kamenz und der KDK GmbH. Worin auch die zukünftigen Gewerke, die Fachplaner, die Ingenieursbüros, die DSK sowie die Projektleiterin Mandy Remus eingeschlossen waren: „Möge ihr Werk gelingen und dass sie – nach getaner Arbeit – mit bester Gesundheit die Baustelle wieder verlassen können.“
Möglich geworden war das Vorhaben, weil die Bibliothek 2022 in ihr neues Domizil im innerstädtischen Gymnasium umgezogen war. Damit war der Weg frei für neue Überlegungen. Hinzu kam, dass im Hause der damaligen Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Frau Prof. Grütters, Überlegungen, wie und an welchen Orten, Mittel für die Begleitung des Kohleausstiegs, die ihr zur Verfügung standen, verwenden werden könnten. Dies war möglich, weil man das Museum gut kannte und die dort geleistet Arbeit zu schätzen wusste. Auch steige die Bedeutung einer musealen Einrichtung, wenn Lessings Stücke auf der Bühne zwar regelmäßig gespielt werden, aber seine Präsenz im Literaturkanon der Schulen auf dem Rückzug zu sein scheint.
Kurzum, vom Bund sowie vom Land wurden je 1,25 Mill. EUR an Fördermitteln zur Verfügung gestellt. Hinzu kamen ca. 900.000 EUR aus Städtebaufördermitteln. Der Stadtrat und der damalige Oberbürgermeister Roland Dantz waren – wie die Stadtvertreter in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts als sie sich für den Bau des damaligen Lessinghauses entschieden – mutig und gaben ca. 450.000 an städtischen Eigenmitteln hinzu, so dass die Gesamtinvestition mit knapp 4. Mill EUR zu stemmen ist.
Oberbürgermeister Preuß weiter: Er freue sich, dass das renommierte Architekturbüro „Peter Kulka Architektur“ für das Vorhaben gewonnen werden konnte und dieses einen Entwurf vorgelegt hat, der das historische Gebäude respektiert und dem Werk und Schaffen Lessing gerecht wird. „Für mich“, so Michael Preuß, „ist das kein Bruch mit der Tradition, sondern eine bedeutsame Fort- und Weiterentwicklung.“ Nun kann man mit Zuversicht auf das Jahr der Wiedereröffnung 2027 und auf 2029 zugehen. Im letzterem werden der 300. Geburtstag des bedeutendsten Vertreters der deutschen Aufklärung sowie der 100. Jahrestag der Grundsteinlegung für das Lessinghaus, dem heutigen Lessing-Museum, begangen. Er beendete seine kurze Rede mit den Worten: „Mit der Vollendung 2027 wird Kamenz über ein traditionsgebundenes, modernes Museum zu Leben und Werk von Lessing verfügen, dass u.a. heutigen konservatorischen Ansprüchen gerecht wird und die Möglichkeit bietet, in einer vielseitigen Museumslandschaft mit neuem Raumangebot, das geistige Erbe Lessings und der Aufklärung lebendig zu bewahren. Ganz im Sinne eines Jean Jaurès zugeschriebenen Ausspruches „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Schüren der Flamme, des Feuers".
Bild 1 Museumsleiterin Dr. Sylke Kaufmann freut sich auf die Wiedereröffnung.
Bild 2 Katrin Leers-Kulka: Bauen im historischen Bestand ist immer herausfordernd.
Im Anschluss daran bedankte sich die Leiterin der Städtischen Sammlungen, Dr. Sylke Kaufmann, auch bei den Firmen und Gewerken und hob besonders die gute Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Kulka hervor. Die zukünftigen Besucherinnen und Besucher sollen sich überraschen lassen, z.B. von einer Lounge mit „Lümmelsofa“, wo man – mit Blick auf den Volkspark – die Gedanken schweifen lassen kann. Außerdem ergänzte sie die „Jubiläumsankündigung“ des Oberbürgermeisters für 2029 um den 300. Geburtstag von Moses Mendelssohn, einem deutsch-jüdischer Philosophen der Aufklärung und Freund Lessings, der ebenfalls 1729 geboren wurde, so dass man von einem Lessing-Mendelssohn-Jahr sprechen kann. Und selbstverständlich erwartet das Publikum 2027 eine besondere Sonderausstellung. Die Eröffnungsausstellung wird in Kooperation mit dem Freien Deutschen Hochstift Frankfurt a. M., dem Träger des Frankfurter Goethe-Hauses und des Deutschen Romantik-Museums, entstehen und sich mit dem Verhältnis von Lessing und Goethe beschäftigen.
Zu guter Letzt ergriff Katrin Leers-Kulka das Wort. Neben dem ausgesprochenen Dank machte sie auf die besondere Bedeutung des kulturellen Erbes und dessen Pflege sowie Bewahrung in Kamenz aufmerksam. „Als Architekten“, führte sie aus, „verstehen wir uns dabei als Mittler: zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Idee und Ausführung, zwischen Konzept und gebauter Realität.“ Ziel sei es 2027ein Museums zu eröffnen, das “dem Geist Lessings gerecht wird: klar – aufgeklärt – offen für Diskurs.“
Danach lud der Oberbürgermeister die anwesenden Gäste in das Lessing-Museum ein, um eine erste Ahnung zu bekommen, wie das Museum bei seiner Fertigstellung aussehen könnte und wird. Somit kann man mit Interesse und Spannung der großen Wiedereröffnung im ersten Halbjahr 2027 entgegensehen.

