Unser Verein will eine Gedenkstätte im Herrental befördern

Am 3. Juli 2008 gründeten Kamenzer Bürgerinnen und Bürger den Förderverein "Gedenkstätte KZ-Außenlager Kamenz-Herrental" e. V. Eingeladen zu der Gründungsversammlung hatte die „Initiative zur Bewahrung des Gedenkens an die Opfer faschistischer Gewaltherr schaft in Kamenz". In einer Pressemitteilung und in direkten Anschreiben an über 30 Bürgerinnen und Bürger in Kamenz und Umgebung sowie die Kamenzer Stadträte war über das Vorhaben wie die Gründe informiert worden.

Der Förderverein setzt sich zum Ziel, dass im Bereich des zu renaturierenden Areals der ehemaligen Tuchfabrik der Gebrüder Noske, Herrental Nummer 9, eine Gedenkstätte für die etwa 1 000 Menschen errichtet wird, die hier zwischen November 1944 und März 1945 als KZ-Häftlinge gelitten haben oder zu Tode kamen.

Die Gründer halten diese Form des Zusammenschlusses und bürgerschaftlichen Engagements, ein solches Vorhaben vor allem in inhaltlicher wie finanzieller Hinsicht besser unterstützen zu können, für zweckmäßiger, als in einer formlosen Initiative. Eine solche war am 4. Juli 2003 in einer Veranstaltung „Ein Tag im Herrental" anlässlich der Übergabe der Forschungsergebnisse über die Lagerzeit und die inhaftierten Menschen aus 21 Ländern Europas auf Initiative des Kamenzer Wolfgang Teichert gebildet worden.

Am Gründungstag erinnerte Wolfgang Teichert daran und dankte Dr. Hermann Schierz, Dr. Walter Strnad und Dr. Matthias Herrmann (2007 verstorben) für ihre Forschungen und Publikationen. In der Einführung zu seinem Bericht: „Blauer Rauch über dem Herrental" schreibt Dr. Matthias Herrmann:
„Bei näherer Beschäftigung mit dem Thema wird der Ruf ‚Nie Wieder’ akut. Dieser macht die Forderung ‚Wider das Vergessen!’ unausweichlich. … Die mahnende Erinnerung an das Nebenlager Kamenz des Konzentrationslagers Groß-Rosen kann und soll helfen, Gewalt und Menschenmissachtung nicht zu akzeptieren und die Würde des Menschen zu verteidigen."

Der Besuch des Sohnes eines Häftlings, der hier im Außenlager ums Leben kam, mahnt uns im besonderen Maße zu Veränderungen des Zustandes im Herrental. Herr Michel Caron besuchte Kamenz 2007 zum zweiten Mal. Er war die gesamte Transportstrecke seines Vaters, mit allen Aufenthaltsorten von Lyon über Auschwitz und Birkenau, Buchenwald und Flossenbürg bis Kamenz mit der Bahn abgefahren. Seinen Eindruck vom Zustand im Herrental schilderte er so:
„Der Schornstein und die eingefallenen Gemäuer – alles war schwarz und traurig. Ich erschrak noch mehr als bei meinem ersten Besuch 2005 und wollte am liebsten sofort wieder abreisen. Aber die Vernunft zwang mich, im Interesse meiner mir selbst gestellten Aufgabe, hier zu bleiben. Inzwischen weiß ich, dass ich hier nicht nur den hohen Grad der Zerstörung im Herrental gesehen habe, der dem Andenken an die vielen Opfer so gar nicht gerecht wird, sondern auch den Willen der Verantwortlichen der Stadt, die Erinnerung an diese historischen Ereignisse nicht einfach verschwinden zu lassen."

Wolfgang Teichert verwies auf die Aktivitäten von Landratsamt und Stadtverwaltung, bestimmte Gebäudeteile unter Denkmalschutz zu stellen und das Gelände zu erwerben. Damit seien günstige Bedingungen für die Errichtung einer Gedenkstätte entstanden. Das Vorhaben werde durch den Kamenzer Stadtrat und durch die Kamenzer Kirchgemeinden unterstützt. In der Diskussion wurde insbesondere darauf verwiesen, das Vorhaben noch intensiver in die Öffentlichkeit zu tragen und die Notwendigkeit betont, weitere Unterstützer und Sponsoren zu gewinnen.

Die Gründungsversammlung beschloss eine Satzung und wählte einen Vorstand, dem Wolfgang Teichert als Vorsitzender, Thomas Lieberwirth als Schatzmeister und Reinhard Kärbsch als Schriftführer angehören. Als Rechnungsprüfer fungiert Michael Nicolaus. Der amtierende Bürgermeister Roland Dantz wie sein Vorgänger Arnold Bock zählen gleichfalls zu den Gründungsmitgliedern. Die gesetzlichen Formalitäten, wie notarielle Bestätigung und Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Kamenz, werden in diesen Tagen erfüllt.

Wolfgang Teichert
Vereinsvorsitzender

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