KZ-Außenlager Kamenz-Herrental 1944 - 1945

Das Außenlager Chronologie Häftlinge Zeitzeugen Täter

Mahnung an die Nachgeborenen

Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts war während einer Ausstellung zur Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung unter den vielen Ausstellungsstücken auch eine unscheinbare grüne Mappe zu sehen, mit der kaum noch lesbaren Aufschrift "Akte Herrenmühle". In dieser Mappe befanden sich Vernehmungsprotokolle aus dem Jahren 1945 und 1946 sowie Bilder über eines von den vielen furchtbaren Verbrechen des Nazi-Regimes - eines Verbrechens, das in Kamenz stattgefunden hatte.

Die Gedenktafel am Gebäude des ehem. Häftlingslagers  

 

In den letzten Monaten des Krieges befand sich im Kamenzer Herrental ein Außenlager des

KZ Groß Rosen
(heute Gedenkstätte und Museum Rogoznica, Polen)



In diesem Außenlager waren Häftlinge aus 21 europäischen Nationen eingesperrt.
Der größte Teil von ihnen kam mit einem Transport am 26. Januar 1945 aus dem

KZ Flossenbürg
(heute Gedenkstätte und Museum bei Weiden, Oberpfalz)


Sie wurden als Zwangsarbeiter in der Rüstungsproduktion mißbraucht, mißhandelt, ermordet und in einer Fabrikkesselanlage verbrannt.
Nach der Befreiung unseres Volkes von der Nazi-Herrschaft aufgedeckt - wurde 1952 an der Stelle dieses Verbrechens eine Gedenktafel eingeweiht, das Herrental erhielt den Namen "Tal der Widerstandskämpfer". In einem aufschlußreichen "Bericht über das Konzentrationslager Kamenz" wurde die Öffentlichkeit informiert.
 Ehrung der Toten an der Gedenktafel vor dem Fabrikgebäude
Enthüllung der Gedenktafel am 14.September 1952
Alljährlich wurden zu Ehren der Toten Kränze und Blumen niedergelegt - bis 1990! - das Tal wurde wieder umbenannt in Herrental, die Gedenkstätte verwilderte, die Gedenktafel unansehlich.
War danach Alles in Vergessenheit geraten?
Fast hatte es den Anschein!
Die Kamenzer Organisation der VVN/Bund der Antifaschisten nahm sich der Sache an.
Jährlich, nach den Kundgebungen anlässlich des Gedenktages für die Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft sowie des 1.MAI, gedenken sie und weitere Kamenzer Bürger der Toten an der Stelle des schwärzesten Kapitel unserer Stadtgeschichte.
Ehrung am Mahnmal für die Opfer des Faschismus am 28.01.1998
Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen KZ Groß Rosen

 

 

 

6. Mai 1995

Eine Gruppe Jugendlicher der Jungen Gemeinde Kamenz folgte einem Aufruf  zur Aktion

Erde für Groß Rosen

Sie nahmen an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Groß Rosen teil und übergaben Erde aus dem Außenlager Kamenz-Herrental, die in einer Kammer in der Gedenkwand neben der aus 100 Außenlagern deponiert wurde.
August 2001
Studenten der TU Dresden präsentieren in einer Ausstellung "Tal(f)ART" ihre Arbeiten zur Zukunft des Herrentales zusammen mit einer Ausstellung über das KZ-Außenlager in einem der Räume dieses ehemaligen Lagers. 

Gegenwärtig befindet sich das gesamte Areal in einem unwürdigen Zustand und bietet ein

Bild der Verwüstung

Erste Ausstellung in den Räumen des ehem. 
        KZ-Außenlagers

Februar 2003
Die Kreisorganisation Kamenz der VVN-BdA unterbreitet einen
Vorschlag zur Gestaltung eines dauerhaften Gedenkortes  
auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Kamenz-Herrental.


30. Juni 2003
Nach weiteren gründlichen Recherchen hat Dr. Walter Strnad die "Geschichte des KZ-Außenlagers Kamenz-Herrental 1944-1945" mit neuen Details und Erkenntnissen bereichert. Seit dem Jahr 2001 befasste sich ein Schülerprojekt der Lessing-Schule Kamenz - betreut durch Dr. Walter Strnad und Dr. Matthias Herrmann, Vorsitzender des Kamenzer Geschichtsverein e.V. - mit der weiteren Erforschung, die durch die Europäische Kommission, Generalsekretariat, Direktion G, gefördert wurde.
Am 30.Juni 2003 wurde dieses Projekt vorläufig abgeschlossen. 

4. Juli 2003
Die Ergebnisse der Forschungsarbeit werden am Ort des Geschehens, Herrental Nr. 9, im Rahmen einer Veranstaltung

"Der Schornstein mahnt - Ein Tag im Herrental"

von Herrn Dr. Herrmann der Öffentlichkeit vorgestellt und an den Bürgermeister der Stadt Kamenz übergeben.
Frau Anne Hasselbach, Dipl.-Ing. für Architektur, stellte den von ihr im Auftrag des Stadtarchivars und des Kamenzer Geschichtsverein e.V. erarbeiteten Entwurf/Konzeption zur Gestaltung eines solchen Gedenkortes vor.
Eine "Initiative zur Bewahrung des Gedenkens an die Opfer faschistischer Gewaltherrschaft in Kamenz" wird von engagierten Bürgern der Stadt Kamenz gebildet.


3. Juli 2008

Auf Vorschlag dieser Initiative gründen 11 Kamenzer Bürger den

Förderverein Gedenkstätte KZ-Außenlager Kamenz-Herrental e.V.

Dieser Förderverein setzt sich zum Ziel, die Errichtung einer würdigen Gedenkstätte auf dem Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers zu befördern und zu begleiten.

Feierliche Übergabe der Gedenkstätte  


7. Juli 2011
Mit einer feierlichen Veranstaltung wird die neu gestaltete Gedenkstätte durch den Oberbürgermeister der Stadt Kamenz, Herrn Roland Dantz, und den Vorsitzenden des Fördervereins, Herrn Wolfgang Teichert, der Öffentlichkeit übergeben.

Die Begegnung mit der deutschen Geschichte sollte auch künftig eine intensive Wahrheitssuche sein. Dies betrifft in besonderem Maße die Jahre faschistischer Gewaltherrschaft von 1933 bis 1945. Es bedarf auch heute noch großer Anstrengungen um der Wahrheit dieses grausamsten Geschichtsabschnittes so nahe wie möglich zu kommen.

"Das Bild, das wir uns von der Vergangenheit machen, 
bestimmt unsere politische Zukunft."

Johannes Rau, Bundespräsident

Im Umgang mit der Geschichte ist jede Einengung und Verzerrung der Wahrheit eine negative Hypothek auf die Zukunft. Niemals darf ein Schlussstrich in dieser Auseinandersetzung gezogen werden. Darin liegt ein zwingender Anspruch, das antifaschistische Erbe durch nachwachsende Generationen wachzuhalten.
Das ist auch der Anspruch, dem wir uns mit der Veröffentlichung dieses Kapitels der Stadtgeschichte unserer Heimatstadt Kamenz stellen wollen.
Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihr Interesse, mit dem Sie sich unserer Darstellung der "Geschichte des KZ-Außenlager Kamenz-Herrental 1944-1945" auf den folgenden Seiten zuwenden wollen!
Nazi-Verbrechen