Todesmarsch aus dem KZ-Außenlager Radeberg

Zweite Aprilhälfte 1945 (Augenzeuge Fritz Zinke, Wallroda)


Für den Betrieb Sachsenwerk Licht- und Kraft AG erfolgte der Einsatz von Häftlingen und ausländischen Zwangsarbeitern für die Kriegsrüstung.
Es handelte sich um ein sog. "Arbeitserziehungslager", das unter KZ-ähnlichen Bedingungen organisiert war. Härteste Arbeit und unmenschliche Haftbedingungen standen im Mittelpunkt. Die Einweisung in das Lager erfolgte generell durch die Gestapo.
Ziel Abschreckungseffekt: wenn kein bedingungsloser Gehorsam oder keine tadellose Arbeit, dann droht KZ oder Todesstrafe.
Unmittelbar nach dem Ende der Nazi-Herrschaft wurde durch eine Kommission zur Untersuchung der Verbrechen in diesem Lager die Ermordung von 422 Häftlingen festgestellt, doch die genaue Zahl war kaum zu ermitteln.

Mit Sicherheit wurden mehr als die Hälfte der Todesopfer durch Genick- und Kopfschuss umgebracht. Das beweisen die ärztlichen Untersuchungen der exhumierten Leichen aus 12 Massengräbern im Sachsenwerkgelände sowie an der Friedhofsmauer.
Im Mai 1965 wurde dieser Gedenkstein auf dem Gelände des ehemaligen "Arbeitserziehungslagers" am Robert-Blum-Weg eingeweiht.
Der Todesmarsch führte von Radeberg über Wallrode und das Fischbacher Kreuz.
Eine größere Gruppe KZ-Häftlinge lief sichtlich schwerfällig, führte Bauernhandwagen mit und musste um sich herum einen Stacheldrahtzaun tragen.
Ein Häftling, der umfiel, wurde von einem Bewacher mit einem Feldspaten durch Schläge auf den Kopf und Oberkörper umgebracht.
Dieser Erschlagene und zwei weitere tote Häftlinge wurden bei Wallroda neben der Straße verscharrt. Im Oktober 1945 wurden sie exhumiert und auf dem Friedhof Wallrode beigesetzt.
Am Fischbacher Kreuz wurden nach dem Krieg sechs weitere ermordete Häftlinge exhumiert.
zurück