Todesmärsche durch den Kreis Kamenz
Sachsenhausen, Buchenwald, Dachau oder Groß-Rosen - das sind die Namen großer Konzentrationslager in Nazi-Deutschland. Solche großen KZ mit zehntausenden und auch hunderttausenden Häftlingen gab es in Sachsen und damit in der Oberlausitz nicht. Hier bestanden hunderte kleiner KZ-Außen- oder Nebenlager, die meisten 1944 geschaffen, als Arbeitskräftelager für die, infolge des Kriegsverlaufs nach Sachsen evakuierten Betriebe der deutschen Rüstungskonzerne. Die unmenschlichen Bedingungen in diesen Lagern waren so wie in den großen KZ (siehe: KZ-Außenlager Kamenz-Herrental 1944-1945).
Im Winter /Frühjahr 1945 wurden diese Lager aufgelöst bzw. evakuiert. Die NS-Machthaber schickten Hunderttausende KZ-Häftlinge in den letzten Kriegsmonaten auf Märsche. Es war eine neue Dimension der faschistischen KZ-Haft.

 Die Tragödie der Todesmärsche begann!

Sehr viele Häftlinge überlebten diese Märsche nicht. SS-Bewacher, Angehörige der Wehrmacht und z.T. auch des Volkssturms vergingen sich brutal an den geschwächten Häftlingen. Zurückbleibende wurden erschossen, erschlagen und an Straßenrändern oder anderen Orten verscharrt.

Kolonnen von KZ-Häftlingen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern wurden in den Monaten Januar - April 1945 auch durch die Oberlausitz und den Kreis Kamenz getrieben. Die Anzahl solcher Todeskolonnen, ihr Woher und Wohin kann heute kaum noch nachvollzogen werden. Über diese Todesmärsche gibt es keine Reporterberichte oder Fotodokumente. Die Geschichtsschreibung ist weitestgehend auf Zeitzeugenberichte angewiesen:
* Protokolle der Polizei vom August/September 1945 (Akte Herrenmühle - KZ-Außenlager Kamenz-Herrental)
* Zeitzeugenberichte späterer Nachforschungen aus den 70er/80er Jahren (Protokolle aus dem Bundesarchiv und der  Zentralstelle der Justizverwaltung in Ludwigshafen 
* Erlebnisberichte in den Medien.
Übereinstimmende Aussagen in diesen Berichten sind:
* Zustandsbeschreibungen der Häftlingskolonnen
* Beobachtungen über den Umgang der SS- und Wehrmachtswachmannschaften mit den Häftlingen
* Art und Weise der Ermordung von Häftlingen.

Todesmärsche durch den Kreis Kamenz
1. KZ-Häftlingskolonnen , die aus Richtung Bautzen kommend, den Kreis Kamenz passierten (mindestens vier)
2. Todesmarsch aus dem KZ-Arbeitslager Radeberg, zweite Aprilhälfte 1945
3. Todesmarsch aus dem KZ-Außenlager Schwarzheide - Theresienstadt April/Mai 1945
4 . Todesmarsch aus dem KZ-Außenlager Niesky-Wiesengrund - Brandhofen (Spohla), April 1945 

Nazi-Verbrechen