Auch das gibt es!

Geheimtipp für einen langen Urlaubstag oder ein Wochenende

Manchmal liegt das Gute so nah, man weiß es nur nicht. Die enthusiastische Inhaberin eines bekannten Kamenzer Uhren- und Schmuckgeschäfts hatte den Oberbürgermeister auf eine kleine, aber feine „Sammlerstube“ in Lichtenberg aufmerksam gemacht, auch mit dem Hintergedanken, ob das nicht etwas für Kamenz wäre. Dringend hatte sie dem Oberbürgermeister empfohlen, das Museum einmal selbst aufzusuchen. Diese Möglichkeit ergab sich letzte Woche. Und um den Leser jetzt nicht weiter auf die Folter zu spannen – manche werde es vielleicht doch schon wissen –, es handelt sich um die „Puppenstube Lichtenberg“.

Über 1.000 Puppen erwarten den Besucher der "Puppenstube".

Seit vielen Jahren sammelt Gudrun Schöne mit viel Liebe und Zeitaufwand Puppenstuben, Puppen, Puppenwagen, aber auch anderes Kinderspielzeug, wovon man sich in den Ausstellungsräumen in Lichtenberg selbst überzeugen kann. Zu jedem Sammlerstück weiß Gudrun Schöne kleine Geschichten zu erzählen, die großen Puppen- und Puppenhaushersteller des 19. und 20. Jahrhunderts kann sie aus dem Effeff. Neben den vielen Puppen- und liebevoll eingerichteten Puppenstuben bzw. -häusern gibt es auch verblüffende Sammlerstücke, so die Puppe bzw. das Baby mit den drei Gesichtern: der friedlich schlafende, der fordernd quengelnde und der glücklich freuende Gesichtsausdruck. Mit einer – im wahren Leben nicht auszuführenden – Drehung des Kopfes des Kindes konnten, bezogen auf die jeweilige Situation, diese unterschiedliche Gesichtsmimik in das Spiel einbezogen werden.

Gudrun Schöne vor einer Puppenstube im Jugendstil von 1910/20, in der auch die Bibel in Miniaturform nicht fehlen durfte.

Und so vergeht die Zeit der Führung wie im Fluge. Und – dies sei auch angemerkt – die Schau ist nicht nur für Kinder, schon gar nicht nur für Mädchen geeignet, auch Erwachsene werden ihre Freude daran finden, denn es wird nicht nur das historische Interesse bedient, sondern es ist eventuell auch ein Ausflug in die eigene Kindheit, da scheinbar die Welt noch in Ordnung war. Das Credo von Gudrun Schöne lautet: „Sammeln ist nicht nur Sammeln aus Leidenschaft, vieles soll der Nachwelt erhalten bleiben, denn jedes Stück könnte eine Geschichte erzählen – ein Stück Erinnerung.“ Die Schau, besonders der Puppenstuben „spiegelt auch zum großen Teil die Wohnverhältnisse und Lebensgewohnheiten vergangener Zeiten wider.“ Dafür durchstreift sie nicht nur die Trödelmärkte und besucht Haushaltsauflösungen, sondern legt selbst Hand an, indem sie u.a. mit Stricknadel, Wolle und Garn die passende Kleidung der jeweiligen Zeit nachempfindet bzw. herstellt. Abschließend sei noch erwähnt, dass Gudrun Schöne ohne die tatkräftige Unterstützung ihres Mannes, der ihr in vielem den Rücken freihält, ihr lebensbestimmendes Sammler- und Ausstellungshobby nicht in diesem Umfang betreiben könnte, wofür sie ihm sehr dankbar ist.

Besucher sind willkommen

Aus all dem Gesagten gibt es nur eine Schlussfolgerung: Den Kamenzer und ihren Gästen sei diese von den Räumlichkeiten her kleine, aber vom Umfang her feine Ausstellung ausdrücklich empfohlen! Die Ausstellungsräume der „Puppenstube“ befinden sich in der Straße der Jugend 16 in 01896 Lichtenberg, eine Gemeinde unweit von Pulsnitz. Sie hat von November bis März immer sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, aber zurzeit sind nach telefonischer Vereinbarung auch Besuche möglich und erwünscht. Zur Vorabstimmung bitte unter 035955 43282 anrufen. Informationen finden sich auch im Internet unter http://www.puppenmuseum-sachsen.de/index.html.

Im Übrigen ist der Eintritt frei, wobei sich Gudrun Schöne aber über jeden freiwilligen Obolus freut. Dieser fließt dann umgehend wieder in die Erhaltung und die Anschaffung neuer Sammlerstücke. Also hinfahren, schauen, staunen sowie genießen und ein Stückchen historisch gebildeter diesen Ort verlassen!

06.07.2018