Erklärung des Oberbürgermeisters zum geplanten Halbstundentakt auf der Bahnanbindung Kamenz - Dresden

Wir haben schon seit längerer Zeit um den Halbstundentakt, um die zeitliche Verstärkung der S-Bahn-Verbindung zwischen Dresden und Kamenz gerungen. Dass sich jetzt eine Lösung ergibt, darüber freuen wir uns riesig. Es ist auch ein deutliches Zeichen, dass die Anbindung aus der Landeshauptstadt in das Dresdner Umland für den Freistaat eine große Bedeutung hat.

Wir haben uns seitens des Stadtrates mit der Unterstützung des Freistaates und auch der Unterstützung des Landkreises sehr „ins Zeug“ gelegt, sehr engagiert, dass hier - zum gegenläufigen Trend in Ostsachsen - Wirtschaftswachstum entstehen kann. Mit dem Halbstundentakt wird der Wirtschaftsraum der Stadt Kamenz und der Region erheblich gestärkt. Darüber hinaus besteht aber auch die deutliche Chance, dass für Einwohner in der Metropolregion Dresden der Blick in das Umland, wenn es um die Erreichbarkeit von gut bezahlten Arbeitsplätzen oder um die Frage nach preiswerten und bezahlbaren Eigenheimlösungen geht, befördert wird.

Auch für die Menschen im ländlichen Raum wird im stärkeren Maß die Möglichkeit angeboten, alternativ zum Individualverkehr die Kultur- und Freizeitangebote der Landeshauptstadt wahrzunehmen. Warum also dann den Theater- und eventuell auch Kinobesuch nicht mit der Nutzung der S-Bahn verbinden? Solche Fragen liegen sehr nahe.

Damit wird auch das Vertrauen in die Entscheider erheblich gestärkt. Denn mit dieser Entscheidung wird ein Versprechen, das den Menschen im Zuge des letzten Wahlkampfes gegeben wurde, eingelöst. Und auch dies ist ausgesprochen gut so in Zeiten, in denen wenige, der eine oder andere, eher versucht sind, Misstrauen zu kultivieren.

Wir haben auch erfahren, dass uns der Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk mit großem Verhandlungsgeschick und Beharrlichkeit bei der nunmehr avisierten Umsetzung des 30-Minuten-Taktes mit großer Umsicht unterstützt hat.

Damit ist es ihm zum wiederholten Male gelungen deutlich zu machen, dass sich Landtagsabgeordnete erfolgreich für die Belange der Region und damit natürlich für das Mittelzentrum einsetzen.

Für diesen Schritt der Landesregierung, des Landtagsabgeordnete Aloysius Mikwauschk, letztendlich des VVO sind wir sehr dankbar. Wir wissen es zu schätzen, dass die Geschäftsführung des Verkehrsverbundes und die Verbandsräte gemeinsam dieses Ziel beharrlich verfolgt und letztendlich in den Blick genommen haben.

2021 kann kommen!

 

Roland Dantz

Oberbürgermeister

Pressemeldung des Sächsischen Verkehrsministerium zur Taktverdichtung auf der Linie Dresden - Kamenz

 

 

Kranzniederlegung am 8. Mai 2020 in Kamenz

Kranzniederlegung anläßlich 75 Jahre Kriegsende am 8. Mai 2020

Am 8. Mai 2020 fand am Sowjetischen Grab- und Ehrenmal anlässlich 75 Jahre Kriegsende eine Kranzniederlegung statt.

Im Anschluss daran erfolgte ebenfalls ein kurzes Gedenken an der Grab- und Erinnerungsstätte für die Gefallenen im 2. Weltkrieg auf dem St. Just-Friedhof. Des Weiteren ehrte der Oberbürgermeister mit einem Blumengebinde am Wicha-Gedenkstein in Bernbruch den Kamenzer Stephan Wicha, der mit seinem Einsatz mit dafür sorgte, dass die Stadt Kamenz 1945 kampflos  übergeben wurde.

Aus Anlass des Tages wurden auch Blumen und Blumengebinde am Richard Liebelt-Gedenkstein, an der Erinnerungstafel für die Häftlingstodesmärsche, an der Gedenkstätte im Herrental sowie am Mahn- und Ehrenmal Poststraße / Robert-Koch-Platz niedergelegt.

Vor 75 Jahren endete der 2. Weltkrieg - Deutschland wurde befreit

Aus diesem Anlass äußern sich Stadtratsfraktionen, verschiedene Interessensgruppen, Vereine, Parteien und Kirchen sowie der Oberbürgermeister der Stadt Kamenz zu diesem historischen Datum. Die nachzulesenden Beiträge werden auch im Kamenzer Amtsblatt 20/2020 (als Papierausgabe) veröffentlicht.

Der 8. Mai 1945 - Oberbürgermeister Roland Dantz

Der 8. Mai 1945

Wenn wir uns gemeinsam an dieses Datum erinnern, dann können es im wortwörtlichen Sinn nur die heute 80- oder 90-Jährigen. Die Jüngeren haben es nicht erlebt. Wenn wir uns damit beschäftigen, auseinandersetzen, dann sind viele Fakten bekannt, längst nicht alle.

Der Krieg, der 1939 begann, war ein Weg, der von Leichenbergen u. a. in Bergen-Belsen, Auschwitz, Treblinka, von über 30.000 Erschossenen im ukrainischen Babi Jar (Babyn Jar), vom Grauen der Bombennächte und von Flucht und Vertreibung markiert wurde.

75 Jahre später ist die Frage, was geschah, in nahezu endlosen Dokumentationen und Büchern beschrieben. Die Frage, die wichtigste vielleicht, nach dem – Warum? – wird immer wieder neu gestellt und sie wird auch immer wieder neu beantwortet. Dies geschieht in besonderer Weise durchaus mehr oder weniger interessensgeleitet. Wer das 20. Jahrhundert verstehen will, kommt am Konflikt der westlichen Welt mit dem damaligen Sowjetrussland nicht vorbei. Zu dieser Betrachtung gehört auch die Frage nach der vermeintlichen Kriegsschuld der Deutschen am 1. Weltkrieg und einem beinahe „mörderischen Frieden“ nach dem Versailler Diktat. Was führte dazu, dass eine bis 1929 politisch eher marginale Partei, wie die NSDAP, diesen Einfluss gewinnen konnte?

Wer Antworten finden will, nicht nur eine, muss sich zwangsläufig mit der Zeit vom Ende des 1. Weltkrieges bis zum 1. September 1939 beschäftigen. In der Geschichte wurden Kriege nahezu immer öffentlich erklärt. Das ist Teil der Propaganda. In Wahrheit werden sie in Hinterzimmern der Macht, die nur wenigen zugänglich sind, vorbereitet und gedacht. Dies ist noch heute so. Für uns Nachgeborene war es lange vielleicht schwer zu verstehen, warum die „Aufteilung der Welt“ in Potsdam am 2. August 1945 so besiegelt wurde, wie wir es erleben mussten.

Heute scheint mir dies klarer zu sein – Stalin, das damalige Sowjetrussland, hatte erkannt, dass die Verschiebung seiner Westgrenze vom Bug bis an die Werra den „Schutz“ bieten kann, den es 1939 nicht gegeben hat. Damit ist zum Teil möglicherweise auch zu erklären, weshalb Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Österreich (bis 1954) ebenso unter sowjetrussischen Einfluss gerieten, wie der Osten Deutschlands. Der Kalte Krieg, der sich dann anschloss, wurde darauffolgend beginnend mit dem Widerstand polnischer Arbeiter in Danzig in den 1970er Jahren bis zum Fall des Eisernen Vorhangs und den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 beendet. Aus dem Ende des Krieges vor 75 Jahren und dem Umstand, dass wir ein ganzes Menschenleben keinen Krieg in Deutschland, in Europa, erleben mussten, aus diesem Fakt heraus können wir den Wert eines gemeinsamen „Europäischen Hauses“ erkennen. Wir haben auch die Möglichkeit, über das Geschehene neu zu befinden. Dies schließt keinesfalls das Festhalten an unseren humanistischen Werten, an dem, was das Ergebnis einer Zeit nach dem Ende des Rassenwahnes, nach dem Ende des Mordens sowie eines für uns heute unvorstellbaren Leides an Gutem gewachsen ist, aus.

Ich habe mich daher entschlossen, dass vielen Vertretern des öffentlichen Lebens, Parteien, Verbänden und Kirchen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Gedanken anlässlich der 75. Wiederkehr des Kriegsendes Raum zu geben. Wir Kamenzer können dankbar sein, dass unsere Stadt am 7. Mai 1945 durch den Mut von Wenigen kampflos übergeben wurde. Auch darüber dürfen wir froh und glücklich sein.

Sie haben sicher gemerkt, dass ich bisher den Begriff der Befreiung als Synonym für den 8. Mai 1945 nicht benutzt habe. Ich biete folgende Überlegung/folgendes Gedankenspiel an: Nehmen wir eine Sekunde lang an, Deutschland hätte vor 75 Jahren den Krieg gewonnen. Die SS hätte die Gaskammern von Auschwitz weiterbetrieben, Kinder, Frauen und Männer wären weiter ermordet worden. Wir, die Deutschen, „dürften“ nur nach der „Pfeife“ einer Partei, in diesem Fall der NSDAP, „tanzen“. Die Deutschen wären Herrenmenschen.

Stellen Sie sich selbst die Frage, ob Sie in einer solchen Welt leben möchten? Ich nicht.

Und schon deshalb sehe ich bei allen Widersprüchen, bei allem Leid, das auch um den 8. Mai 1945 und danach geschah und den immer noch offenen Fragen, den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung. Auch wenn ich, wie viel andere Ostdeutsche, die bekannte Rede des damaligen Bundespräsidenten Weizsäcker aus dem Jahr 1985 nicht kennen konnte.

Roland Dantz

Oberbürgermeister

Zum 75. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges - Jörg Bäuerle für die Stadtratsfraktion „Wählervereinigung Kamenz & Ortsteile“ im Stadtrat Kamenz

Zum 75. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges

Psalm 78.63 „Die jungen Männer fraß das Feuer, den jungen Mädchen sang man kein Brautlied, … die Witwen konnten die Toten nicht beweinen“

Am 9. Mai 1945 00.01 Uhr schweigen die Waffen auch in noch von deutschen Truppen gehaltenen Gebieten von Kreta bis Norwegen, von Kurland bis zu den französischen Festungen und auch in Gebieten von Ostsachsen und der Oberlausitz. Mit der Kapitulation vor den Alliierten endete der 2. Weltkrieg, allerdings erst nur in Europa, im pazifischen Raum wurde noch gekämpft. Der Krieg endete in einer bisher beispiellosen Katastrophe für Deutschland.

Als am 1. September 1939 deutsche Truppen in Polen einmarschierten, war trotz einer von den Nationalsozialisten geführten Kriegspropaganda keine Begeisterung oder Euphorie in der deutschen Bevölkerung zu spüren wie zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914. Das 20. Jahrhundert war gekennzeichnet von Ideologien der Gewalt. In Deutschland herrschten die Nationalsozialisten unter Hitler, in Russland herrschte Stalin mit der Kommunistischen Partei.

Sowohl für die meisten Deutschen als auch für die Westmächte eigentlich undenkbar, kam es im August 1939 zum sogenannten Hitler-Stalin-Pakt. Hitler hatte damit keinen 2-Fronten-Krieg zu befürchten, die polnische Beute wurde unter Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Ein Teil der in die Sowjetunion geflüchteten Widerstandskämpfer gegen das Hitlerregime, insbesondere auch Kommunisten, wurden nach Deutschland ausgeliefert.

Deutsche Truppen eroberten ab 1940 weite Teile Westeuropas, das Unheil nahm seinen Lauf. Die Überheblichkeit der nationalsozialistischen Ideologie und eines angeheizten Rassenwahns führten zu eklatanten Fehleinschätzungen, insbesondere der militärischen Lage. Der Pakt mit der Sowjetunion hielt nicht lange, im Sommer 1941 begann der Krieg mit der Sowjetunion und er wurde von deutscher Seite mit einer bis dahin beispiellosen Grausamkeit geführt.

Im Frühjahr 1945 rückte die Front bis in unsere Heimat vor. Sowjetische und polnische Truppen unter Marschall Konew standen in der Lausitz. Militärisch irrationale Vorstellungen Hitlers waren der Ansicht, dass der Vorstoß sowjetischer Einheiten zuerst in den böhmischen Raum zielte, um die noch intakte Rüstungsindustrie, insbesondere die Skoda-Werke, zu eliminieren und nicht nach Berlin, wie es das Oberkommando der Wehrmacht vermutete. Eine große Militäreinheit unter Generalfeldmarschall Schörner mit 1,2 Millionen Soldaten stand in Ostsachsen und der Lausitz. Das strategische und auch eigentliche Ziel war aber logischerweise die Eroberung der Reichshauptstadt Berlin.  Das nationalsozialistische Regime unter Hitler sollte endgültig beseitigt werden. Demzufolge spielte die Besetzung Ostsachsens mit Dresden und der Oberlausitz eine nur untergeordnete Rolle. Die Hauptstoßrichtung der Einheiten von Marschall Konjew war von Süden aus die Hauptstadt Berlin.

Im März 1945 war in Lauban (Luban) die eigentlich letzte große Panzerschlacht des 2. Weltkrieges, welche die Rote Armee aber nicht gewann. Der Angriff blieb stecken und wurde auch nicht weitergeführt. Die Innenstadt Laubans wurde fast vollständig zerstört und erst nach 1989 konnte die historische Innenstadt wieder aufgebaut werden. Der Frontverlauf in der Oberlausitz mit den Städten Bautzen, der „Festung“ Görlitz und Lauban blieb eine Zeit lang erhalten, erst im April erfolgten von Norden aus Vorstöße. Bautzen wurde zum großen Teil von sowjetischen und polnischen Truppen besetzt, doch erfolgte die letzte Offensive deutscher Einheiten, welche zum Entsatz von Bautzen führte und auch unmittelbare Auswirkungen auf das Gebiet von Kamenz hatte.

Unsere Stadt blieb, Gott sei Dank, von unmittelbaren Kampfhandlungen verschont. Eigentlich ist es schon erstaunlich und bedenkenswert, denn in Kamenz waren sowohl die Kasernen als auch der Flugplatz, auf welchem zeitweise sogar eine Staffel von Ju 87 Stukas stationiert waren. Augenscheinlich spielte Kamenz aber keine bedeutende strategische Rolle, der Ausgang des Krieges war vorauszusehen, ja er stand eigentlich schon fest.

Die Kämpfe in der Oberlausitz waren durchaus für alle Seiten verlustreich. Noch heute sind Nachwirkungen zu spüren, in vielen alten Bäumen im Gebiet von Ralbitz-Rosenthal und Crostwitz stecken Granatsplitter und man findet auch noch Reste von Ausrüstungsgegenständen und Munition.

In den schweren Kämpfen wurde auch die Wallfahrtskirche in Rosenthal zerstört.

Die Kämpfe in der Lausitz wurden in der Kriegspropaganda ausgenutzt. Als mein Vater Anfang April mit meiner Großmutter aus Königsbrück in Richtung Erzgebirge geflohen sind und sie die Nachricht erreichte, das deutsche Truppen in Ostsachsen wieder auf dem Vormarsch sind, kehrten sie zurück. Sie blieben auch in ihrem Zuhause und nach dem Einmarsch der Roten Armee kam es persönlich nicht zu den befürchteten und von der Kriegspropaganda vorausgesagten Übergriffen, wovor viele Menschen aber leider nicht verschont geblieben sind.

Die Situation im April und Mai 1945 war unübersichtlich. Die Berichte von Zeitzeugen sind deshalb besonders wichtig, um der historischen Wahrheit nahe zu kommen. Krieg in allen seinen Varianten ist immer grausam und in seinen Auswirkungen auch irrational. Die Kriegsführung, besonders im Osten, war von deutscher Seite aus teilweise nicht vom Kriegsrecht gedeckt. Übergriffe auf Zivilisten, besonders von Seiten der Einsatzgruppen der SS, waren völkerrechtswidrig und eindeutig Kriegsverbrechen. Wir sollten dabei aber nicht vergessen, dass der überwiegende Teil auch der deutschen Soldaten, es waren unsere Väter, Großväter und Urgroßväter, eben nicht pauschal Kriegsverbrecher waren, sondern Opfer einer gewaltbereiten und Gewalt verherrlichenden Ideologie, der Ideologie des Nationalsozialismus.

Als die Rote Armee Gebiete von Ostpreußen und Pommern eroberte, kam es trotz eines Befehls der sowjetischen Militärführung zu Übergriffen und viele Orte wurden vorsätzlich zerstört und Zivilisten getötet. Das führte zu einer breit angelegten Propaganda der nationalsozialistischen Führung und aus geschürter und vielleicht auch realer Angst kam es zu einem verbissenen Widerstand. Rache und Vergeltung waren noch nie ein Mittel zur Lösung von Konflikten und erst der Verzicht auf Rache und Vergeltung kann den Teufelskreis durchbrechen.

Als am 9. Mai von Norden kommend die ersten Vorhuten sowjetischer und polnischer Einheiten Kamenz erreichten, schwiegen bereits die Waffen. Kamenz wurde besetzt, aber eben nicht im Kampf eingenommen. Das ersparte den Kamenzern viel Leid.

Wenn man auf die Zeit von 1939 bis 1945 zurückblickt, können wir alle froh sein, dass uns das schreckliche Geschehnis eines Krieges erspart geblieben ist. Wir haben eine große Chance, Frieden zu bewahren und für die Verständigung zwischen den Völkern zu leben. Die blaue Flagge mit dem Sternenkranz, das Zeichen für ein geeintes Europa, von den Gründern bewusst abgeleitet vom Sternenkranz der Maria von Lourdes, ist auch ein Zeichen für Hoffnung und Frieden.

Der 8. Mai ist eigentlich auch kein Feiertag und auch kein Tag für pompöse Militärparaden und Aufzüge, sondern er sollte als Gedenktag für alle Opfer des Krieges und als Tag der Mahnung für den Frieden gehalten werden. Vergessen wir nicht was geschah und denken wir an die Zukunft und bewahren wir unsere Grundwerte, damit es wahr wird, was schon vor mehr als 2000 Jahren geschrieben wurde: „dann tragen die Berge Frieden für das Volk und die Höhen Gerechtigkeit“ (Psalm72.3.).

Jörg Bäuerle

für die Stadtratsfraktion „Wählervereinigung Kamenz & Ortsteile“ im Stadtrat Kamenz

Gedanken zum diesjährigen Gedenken in Form einer Videolesung zum 8. Mai - Sebastian Schindler für die Stadtratsfraktion und den Ortsverband "DIE LINKE"

Gedanken zum diesjährigen Gedenken in Form einer Videolesung zum 8. Mai

Wir haben dieses Jahr eine andere Form des Gedenkens gewählt: Eine Online-Lesung mit der Geschichte eines Opfers der nationalsozialistischen Barbarei in Kamenz - gelesen am Ort seiner Ermordung.

Jessica Wallner und Steve Lormes aus Kamenz lesen aus dem Buch "Eine Reise an das Ende der Nacht", das Michel Caron nach einer Reise zu den Leidensstationen seines gleichnamigen Vaters verfasste. Er war als gefangener französischer Widerstandskämpfer in verschiedenen KZs, bevor er am 26. Februar 1945 im KZ-Außenlager Kamenz-Herrental ermordet wurde.

Videolesung aus dem Buch „Eine Reise an das Ende der Nacht“

Sebastian Schindler

für die Stadtratsfraktion und den Ortsverband "DIE LINKE"

 

Vor 75 Jahren endete der Krieg, am 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung - Pfarrer Michael Gärtner, Ev.- Luth. Kirchgemeinde Kamenz

Vor 75 Jahren endete der Krieg, am 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung

Es war ein Tag der Befreiung für die Menschen, die so lange unter dem Krieg und der Gewaltherrschaft Nazideutschlands gelitten hatten. In Deutschland selbst haben damals nicht viele diesen Tag als eine Befreiung empfunden. Denn andere Gefühle waren vorherrschend: Man sorgte sich um das eigene Überleben, trauerte um Angehörige, hatte Angst vor Vergewaltigung und Raub. Man suchte Vermisste, musste sich um die vielen Flüchtlinge kümmern und sah angesichts der großen Zerstörung einer unsicheren Zukunft entgegen.

Viele sprachen einfach vom „Zusammenbruch“, denn all das, woran man geglaubt und wofür man gekämpft hatte, war zusammengebrochen. Man hatte geglaubt, für das Vaterland und für eine gute Sache zu kämpfen und zu leiden. Und erst langsam sickerte ins Bewusstsein, wie vergeblich und sinnlos dieser Krieg war und wie unbeschreiblich unmenschlich und verbrecherisch das Nazi-Regime war. Eine Aufarbeitung dessen, was man selbst erlitten und was man anderen an Leid zugefügt hatte, war aber kaum möglich. Darüber zu sprechen, war man nicht in der Lage, zumal das nicht erwünscht oder gar verboten war.

Und so dauerte es Jahre, ja Jahrzehnte bis aus dem Vergessen und Verdrängen allmählich eine Kultur des Erinnerns und Gedenkens entstand. Diese Erinnerungskultur ist ein wichtiger Bestandteil unserer gesellschaftlichen Identität als Deutsche geworden, um die wir heute sogar beneidet werden, vor allem in Ländern, wo autoritäre oder diktatorische Regierungen die Macht ausüben. Diese Kultur des Erinnerns und des verantwortlichen Umgangs auch mit den dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte gilt es zu pflegen und auszubauen. Sie ist keine Schwäche, sondern Ausdruck von Stärke und Reife.

Vor und während der Nazidiktatur hatten nur wenige die Reife, die verhängnisvolle Entwicklung zu erkennen. Und noch weniger hatten die innere Stärke, diesen menschenverachtenden Kräften entgegenzuwirken. Zu diesen wenigen zählt der Pfarrer und Theologe Dietrich Bonhoeffer. Zwei Tage nach der Machtergreifung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 konnte er noch einen Radiovortrag über den „Führerbegriff“ halten, in dem er die Begrenzung der totalen Machtfülle durch rechtsstaatliche Ordnungen einforderte: „Der Führer wird sich dieser klaren Begrenzung seiner Autorität verantwortlich bewußt sein müssen. Versteht er seine Funktion anders, als sie so in der Sache begründet ist […] läßt er sich vom Geführten dazu hinreißen, dessen Idol darstellen zu wollen – und der Geführte wird das immer von ihm erhoffen – dann gleitet das Bild des Führers über in das des Verführers, dann handelt er verbrecherisch am Geführten wie an sich selbst. Der echte Führer […] muß die Geführten von der Autorität seiner Person weg zur Anerkennung der echten Autorität der Ordnungen und des Amtes führen.“

Aufgrund dieser deutlichen Kritik am nationalsozialistischen „Führerprinzip“ und am Hitlerkult wurde die Rundfunkübertragung abgebrochen – in dem Moment als Bonhoeffer sagte: „Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gottes.“  Bonhoeffer blieb bei seiner kritischen Haltung. Als im September 1933 nur noch sogenannte Arier in der Kirche als Pfarrer arbeiten durften, schlug Bonhoeffer einen Beerdigungsstreik vor. Später gründete er mit anderen den Pfarrernotbund zum Schutz der bedrohten Amtsbrüder jüdischer Herkunft. Daraus wurde später die „Bekennende Kirche“, die sich gegen die von den Nazis gleichgeschalteten Deutschen Christen wandte. Er reiste ins Ausland, um internationale ökumenische Kontakte zu knüpfen gegen die Nazis. Als alles nichts half, begann er im Untergrund zusammenzuarbeiten mit denen, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler verübten.

Im April 1943 wurde Bonhoeffer verhaftet. Noch kurz vor Kriegsende wurde er am 8. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.

Das Ende des Krieges, den Tag der Befreiung, erlebte Dietrich Bonhoeffer nicht mehr, aber im Inneren war er längst frei von der menschenverachtenden Ideologie und den Verführungen der Nazis. Denn er hatte Kraft und Halt gefunden in Jesus, der sich bedingungslos den Armen und Kranken, den Ausgeschlossenen und Verachteten zugewandt hat. Nichts konnte ihn trennen von der Liebe zu Gott und zu den Menschen.

Pfarrer Michael Gärtner

Ev.- Luth. Kirchgemeinde Kamenz

Gedanken zum 8. Mai 2020, dem 75. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus und des Kriegsendes - Dr. Dieter Rostowski, Initiative zur Bewahrung des Gedenkens an die Opfer faschistischer Gewaltherrschaft in Kamenz/Förderverein KZ-Außenlager Herrental

Gedanken zum 8. Mai 2020, dem 75. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus und des Kriegsendes

Sehr geehrte Leserinnen und Leser – Kamenzer Mitbürger und Freunde!

ich erlaube ich mir, Ihnen meine Gedenk-Rede als Sprecher der Initiative zur Bewahrung des Gedenkens an die Opfer faschistischer Gewaltherrschaft in Kamenz und als Mitglied des Fördervereins KZ-Außenlager Herrental hier nun darzulegen:

Der heutige Tag, an dem vor 75 Jahren durch die Rote Armee und die 2. Polnische Armee auch der Kreis Kamenz befreit wurde, ist für uns Anlass zum Gedenken. An einem solchen Tag soll aber auch erinnernd an diese Befreiung vom faschistischen Regime gedankt werden. Ich spreche bewusst vom faschistischen Regime, denn der Begriff „Nationalsozialismus“ steht bei mir in Anführungszeichen. Das NS-Regime war weder national, noch sozialistisch – es war verbrecherisch, mörderisch, rassistisch, kriegerisch und völkerverachtend! Denn 1933 kam in Deutschland ein Regime an die Macht, dass nach innen durch Terror gegen die eigene Bevölkerung geprägt war. – Nach außen trat es anfangs als Friedensheuchler in Erscheinung. Doch dann entfaltete es sich eroberungssüchtig und kriegerisch. Das führte zu aggressiv und mörderisch geführten heißen Angriffs- und Vernichtungskriegen. Fast alle Länder Europas wurden nicht nur in den Krieg hineingezogen, sondern auch Opfer. Die Völker wurden in einen verheerenden Weltkrieg hineingerissen, aus dem sie 1945, vor 75 Jahren – endlich zum Frieden gelangten. Es war die Befreiungstat der führenden Alliierten wie den USA, Großbritannien und der Sowjetunion, die mit weiteren Ländern Hitler-Deutschland zur bedingungslosen Kapitulation zwangen.

Mit Begriffen wie Niederlage, Kriegsende, Kapitulation, Katastrophe, Zusammenbruch und anderen wird versucht, das Wesen des Tages der Befreiung als einer weltgeschichtlichen Zäsur zu vernebeln. Es ist den Völkern der UdSSR und der Roten Armee für ihre weltgeschichtliche Tat zu danken. Selbstverständlich war auch der Beitrag der westlichen Alliierten zur militärischen Vernichtung der Armeen Hitlers im Zweiten Weltkrieg eine Tatsache. Aber die UdSSR hatte im Kampf gegen Hitler-Deutschland die Hauptlast zu tragen. Niemals darf vergessen werden, dass drei Viertel der militärischen Kräfte Nazi-Deutschlands durch die Rote Armee zerschlagen wurden. Es ist bekannt, dass die kampffähigsten und stärksten deutschen Truppen, einschließlich ihrer Eliteverbände und Verbündeten, im Osten untergingen. Dazu gehörten nachweislich 506 deutsche Divisionen und weitere 100 Divisionen von Hitler-Verbündeten! Bei den Kämpfen in Westeuropa, Nord-Afrika und Italien wurden dagegen insgesamt 176 deutsche Divisionen zerstört.

Der Opfermut der Roten Armee endete mit ihren entscheidenden Schlägen im April/Mai 1945 westlich der Oder und Neiße – auch hier in der Lausitz und in Sachsen – mit dem erzwungenen Sieg über Hitler-Deutschland am 8./9. Mai 1945. Es ist bekannt, dass es wohl kaum eine russische Familie gibt, die in diesen Tagen nicht ihrer Toten gedenkt. Und es ist auch verständlich, wenn die Menschen sich wünschen, dass sich nie wieder ein solches Massaker, wie es auf dem Boden der UdSSR begangen wurde, wiederholen darf. Und das wünschen sich auch die Menschen hier in Deutschland, die in den April- und Maitagen der Opfer gedenken.

Man fragt sich, warum ungeachtet dieser historischen Erfahrungen heute die NATO und die USA ein großes „Säbelrasseln“ inszenieren? – „Weil die Russen uns bedrohen“, heißt es naiv.

Im Gegenteil: Es ist festzustellen, dass allein die USA rund um Russland heute 330 Militärstützpunkte aufgebaut hat; natürlich mit vollen Waffenarsenalen. Aber Russland hat nur 2 Militärstützpunkte im Ausland! Die Truppenstärke in Russland beträgt 1,1 Million Soldaten, aber die NATO hält 4,4 Millionen Menschen unter Waffen. Ich könnte das weiter ausführen, doch frage ich lieber: Wer bedroht eigentlich wen?

Wer sich geschichtlich interessiert und informiert, der weiß, dass das russische Volk viele feindliche Invasionen erleiden musste, wie durch die Mongolen, Tataren, Schweden, Polen, Franzosen, die imperialistischen Interventionen nach der Oktoberrevolution durch 14 Staaten (wozu auch Deutschland gehörte) sowie den faschistischen deutschen Überfall 1941. – Jeder weiß, wie das am 8 Mai 1945 endete.

Viele Menschen folgten vor 75 Jahren dem Schwur der Buchenwald-Häftlinge: „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ – Dieser Schwur darf auch heute nicht in Vergessenheit geraten, denn Wachsamkeit ist angesagt! – Der Frieden ist kein Geschenk, er muss stets neu erstritten und erkämpft werden! Und so ist das heutige Gedenken an die Millionen Opfer des Zweiten Weltkrieges auch ein Baustein für den Frieden. Dieser Frieden wurde 1945 bitter erkämpft! Deshalb bleibt es dabei: Dank euch, ihr Sowjetsoldaten!

Heute kommt es darauf an, die Rüstungen stetig zu reduzieren und mit allen Nachbarn in Europa gutnachbarliche Beziehungen zu schaffen. Dazu tragen kein Kriegsgetöse und auch nicht Wirtschaftsboykott bei.

Es sind genug der Opfer!

Auch Kamenz hatte im Zweiten Weltkrieg über 500 Opfer zu beklagen. –  Allen diesen Opfern gebührt heute unser Gedenken. Darin schließen wir auch jene ausländischen KZ-Häftlinge ein, die hier in Kamenz ihr Leben lassen mussten, wie das im Herrental auf den Tafeln dokumentiert ist.

Ehre ihrem Andenken! –  Aber auch allen Opfern, die hier in Kamenz und in unserer Region ums Leben kamen! Keiner soll und darf jemals vergessen sein!

Vergessen seien auch nicht jene Kamenzer Bürger, die in den letzten Kriegstagen um ihr Kamenz bangten, wie Waldemar Besser, Franz Kallenbach, Ernst Klugmann, Josef Schwarz und Arthur Synnatzschke (Aktion „Weiße Fahne“ Kamenzer Rathaus), die alle vom Kamenzer NS-Standgericht zum Tode verurteilt worden waren. Durch die Umstände des schnellen Kriegsendes kamen sie glücklicherweise mit dem Leben davon!

Doch sei ebenfalls nicht vergessen, dass der Kommunist Stephan Wicha, von seinem Arbeitgeber Ernst Klugmann in der Frühe des 7. Mai 1945 zur Frontlinie der Roten Armee vor Bernbruch geschickt wurde, um Kontakt herzustellen und zu vermitteln, dass in Kamenz kein Militär mehr sei.

Und tatsächlich: Bereits in den frühen Morgenstunden (etwa 7 Uhr) zog er von dort mit erhobenen Händen, in denen er weiße Tücher hielt, durch die Stadt bis auf den Marktplatz. In seinem Rücken befand sich ein russischer Spähtrupp (5 Mann mit Waffen im Anschlag). Als sie zusammen auf dem Markt unbehelligt ankamen, schossen die Soldaten Leuchtkugeln. Das war das vereinbarte Signal für die russischen Truppen, die nun friedlich in die Stadt einzogen. Unterwegs sahen sie verschiedentlich weiße Fahnen an den Gebäuden. Der Augenzeuge Christian Wolfrum stellte fest: „Als ich am 7.5., etwa 9 Uhr, Richtung Kasernenstraße (heute Macherstraße) schaute, sah ich überall an den Fenstern weiße Fahnen; auch wir hissten die weiße Fahne.“ … „Wir fühlten es, der Einmarsch der Russen war eine Befreiung!“

Das war es, verehrte Leserinnen und Leser, was ich dazu in Kurzfassung mitteilen wollte.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit!

Dr. phil. Dieter Rostowski

Sprecher der Initiative zur Bewahrung des Gedenkens an die Opfer faschistischer Gewaltherrschaft in Kamenz

Mitglied des Fördervereins KZ-Außenlager Herrental

 

(Nachweis der hist. Belege: D. Rostowski, GEWISSENSANGST, Wie ehrbare Kamenzer sich im April/Mai 1945 um das Schicksal ihrer Stadt sorgten“, S. 70 ff.)

Der 8. Mai 1945 - ein zentraler Tag in der europäischen Geschichte - Matthias Schniebel, Vorsitzender FDP Regionalverband Kamenz

Der 8. Mai 1945 - ein zentraler Tag in der europäischen Geschichte

An diesem Tag endete der zweite Weltkrieg in Europa und damit auch die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Jetzt jährt sich dieser Tag zum 75. Mal. Auch wenn viele Menschen diesen Tag heute nur aus den Geschichtsbüchern kennen und nur einige ihn bewusst miterlebt haben, so muss man doch auf die gesamte Dimension dieses Datums schauen, schließlich brachte es allen Deutschen die Chance auf einen Neubeginn und ein Leben in Freiheit.

So auch für die Einwohner der Stadt Kamenz. Die gewaltlose Übergabe der Stadt an die sowjetische Armee, stellte sicher einen erheblichen Vorteil dar, in Anbetracht der Tatsache, dass es vielen Städten in Deutschland anders erging. Die Menschen haben den Neuanfang gestaltet, auch wenn in Kamenz sowie im ganzen Osten Deutschlands in den folgenden 45 Jahren von einer echten Freiheit nicht wirklich die Rede sein konnte. Doch auch diese Phase haben wir überwunden und blicken nun auf mehr als 30 Jahre Leben in Freiheit zurück.

Leider haben wir in diesen Tagen einen neuartigen Kampf zu bestehen, so dass wir dieses Gedenken nicht so in der Öffentlichkeit würdigen können, wie es angebracht wäre. Obwohl wir glücklicherweise keinen Krieg erleben, so stehen wir doch einem gemeinsamen Feind gegenüber, der Corona-Pandemie und deren Folgen. Uns erwartet wirtschaftlich voraussichtlich die schwerste Rezession der Nachkriegszeit, unser gesellschaftliches und soziales Verhalten wird auf eine harte Probe gestellt. Doch die aktuelle Situation sollte uns vor Augen führen wie sehr Freiheit und Menschenrechte wertzuschätzen sind und keine Selbstverständlichkeit darstellen. Unser Vorteil in diesem Moment, wir kämpfen alle vereint in Europa und in der Welt gegen diesen neuartigen Feind.

Wir möchten am heutigen Gedenktag allen gedenken, die im Kampf für die Freiheit ihr Leben lassen mussten, aber auch denen, die unverschuldet durch Totalitarismus und Menschenfeindlichkeit um ihr Leben gebracht wurden. Es gibt nichts Wertvolleres als in einem Land im Frieden aufzuwachsen und sich zu entwickeln. Wirken wir gemeinsam daran, dass dies auch in Zukunft so bleibt, allen widerlichen Umständen zum Trotz.

Matthias Schniebel

Vorsitzender FDP Regionalverband Kamenz

8. Mai - Tag des Gedenkens, aber auch des Nachdenkens - Konrad Skatula, SPD Ortsverein Kamenz & Umgebung

8. Mai - Tag des Gedenkens, aber auch des Nachdenkens

Den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit kenne ich nur aus Dokumentationen, dem Schulunterricht und aus vielen Erzählungen von alten Menschen, die ich in der Altenpflege kennengelernt habe. Von vermeintlichen Helden war in den Erzählungen der Zeitzeugen nie die Rede. Und so denke ich am 75. Jahrestag des Kriegsendes vornehmlich natürlich an die vielen Opfer und an die stillen Alltagshelden. Damit meine ich vor allem an die vielen starken Frauen. Während die Männer im Krieg waren, mussten sie für das finanzielle Auskommen der Familie sorgen und diese auch zusammenhalten. Ihre eigenen Interessen lernten sie dabei stets zurückzustecken. Ich denke an Frauen wie meine Oma, die stets als Erstes an das Wohl anderer dachte als an ihr eigenes. Nach dem Krieg musste sie, wie viele andere Frauen, nicht nur ihre Kinder und den Haushalt versorgen, sondern auch arbeiten gehen und sich um ihren, sicher nicht nur körperlich, sondern auch seelisch kriegsversehrten Ehemann kümmern.

Mag man über die DDR und ihre Geschichte denken was man will, eins steht fest die Frau wurde immer als dem Mann gleichgestellt betrachtet. Während in der BRD ein rückschrittliches Frauenbild vorherrschte – so musste etwa die Frau bis 1977 ihren Ehemann um Erlaubnis bitten, wenn sie eine Arbeitsstelle annehmen wollte –, wurde in der DDR bereits 1950 das Gesetz über die Rechte der Frau verabschiedet. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war eine Selbstverständlichkeit.

Zumindest in den unteren Hierarchieebenen brauchte es auch keine Frauenquote, denn es war klar, dass beide Geschlechter gleiche Chancen haben. Natürlich ist zu sagen, dass die Frau weiterhin die Hauptlast der Kindererziehung und des Haushaltes trug. Auch die Löhne unterschieden sich. Dennoch war die DDR in puncto Gleichstellung der BRD voraus. Kinderkrippen und das Recht auf einen Kindergartenplatz waren in der DDR selbstverständlich.

Heute bezeichnen Vertreter großer populistischer Parteien den Zweiten Weltkrieg als „Vogelschiss“. Sie wollen die Zeit zurückdrehen und nicht nur die Rechte der Frauen beschneiden: „Wehret den Anfängen!“

Konrad Skatula

SPD Ortsverein Kamenz & Umgebung

Zum 8. Mai 2020 - Maik Weise - Fraktionsvorsitzender für die CDU-FDP-Fraktion im Kamenzer Stadtrat

Zum 8. Mai 2020

Vor 75 Jahren fand der Zweite Weltkrieg und die nationalsozialistische Schreckensherrschaft in Deutschland ein Ende. Der von deutschem Boden aus begonnene Krieg hat unermessliches Leid über die Völker Europas und der Welt gebracht. Die Diktatur gipfelte in dem beispiellosen Verbrechen des Holocaust, der grausamen Ermordung von sechs Millionen Juden.

Die Toten des Zweiten Weltkrieges und der Zivilisationsbruch des Genozids sind uns daher nicht nur an dem jährlichen Gedenktag, sondern dauerhafte Verpflichtung, für die Werte der Demokratie und der Freiheit einzustehen. Es gilt auch, jeglichen Erscheinungen von Antisemitismus – gleich aus welcher Richtung – entgegenzutreten. Das Wort der Kanzlerin, dass die Existenz und die Sicherheit Israels Teil der Staatsräson unseres Landes ist, darf kein Lippenbekenntnis bleiben, sondern muss tatsächlich gelebt werden. Sie ist niemals verhandelbar.

Maik Weise - Fraktionsvorsitzender

für die CDU-FDP-Fraktion im Kamenzer Stadtrat

08.05.2020