Entscheidung für Eingliederung von Schönteichen nach Kamenz gefallen

Einheitsfeier der besonderen Art fand am 3. Oktober in Biehla statt

Die Sonderstadtratssitzung am 2. Oktober 2018

Am 2. Oktober hatte der Sonderstadtrat zum Bürgerentscheid und zur Eingliederung der Gemeinde Schönteichen nach Kamenz getagt. Dabei gab es drei Tagesordnungspunkte – Erstens: Da das Quorum beim eigentlichen Bürgerentscheid nicht erreicht worden war bzw. knapp verfehlt wurde, musste der Stadtrat kommunalrechtlich eine Entscheidung über den Wortlaut und Inhalt des Bürgerentscheides treffen und damit über die Eingliederung der Gemeinde Schönteichen entscheiden. Zweitens ging es um die Abwägung der Einwendungen hinsichtlich der Eingliederungsvereinbarung und zuletzt um die Zustimmung des Kamenzer Stadtrates zur Eingliederungsvereinbarung.

Der Kamenzer Stadtrat hat sich für die Eingliederung der Gemeinde Schönteichen entschieden. Auch hinsichtlich der einen Einwendung bzw. des einen Statements ist er dem Vorschlag der Verwaltung gefolgt und hat das Statement zur Kenntnis genommen, was aber keinen Einfluss auf den Inhalt der Eingliederungsvereinbarung hatte.

Letztendlich wurde auch mit der erforderlichen absoluten Mehrheit der stimmberechtigten Stadträte die Eingliederungsvereinbarung angenommen. Damit war der Weg für die Eingliederung der Gemeinde Schönteichen in die Große Kreisstadt Kamenz frei und auch die schon vorbereitete „Einheitsfeier“ der besonderen Art konnte am 3. Oktober in Kamenz und Schönteichen stattfinden.

Die „Einheitsfeier“ der besonderen Art am 3. Oktober 2018

Nach dem die Entscheidungen im Stadtrat am Vortag außerordentlich deutlich (18 Ja-Stimmen/1 Nein-Stimme/0 Enthaltungen) für eine Eingliederung der Gemeinde Schönteichen zum 1. Januar 2019 gefallen war, konnten ganz beruhigt und mit aller Legitimation die Feierlichkeiten am 3. Oktober 2018 durchgeführt werden.

Eine „heroische“ Radtour durch den Regen

Begonnen hat der Tag mit einem Radkorso von Kamenz nach Schönteichen, sprich Biehla. Das Wetter meinte es zunächst nicht sehr gut, denn es war kalt, windig und regnerisch. Trotzdem machten sich „die glorreichen Sieben“, von denen allerding zwei in einem Auto saßen und quasi das Begleit- bzw. Mannschaftsfahrzeug stellten, auf den durch die Witterung bedingten etwas schweren Weg. Die zu benennenden „glorreichen Fünf“ waren: Oberbürgermeister Roland Dantz mit seiner Frau Rica, Herr und Frau Eckhard und Rosemarie Göbel sowie Siegfried Bruse.

Sie trotzten (heroisch) den Wetterunbilden und traten pünktlich 14 Uhr vom Kamenzer Rathaus aus die Fahrt nach Schönteichen an. Sie durchquerten die Ortsteile Liebenau und Cunnersdorf, mit einem kleinen regenbedingten Zwischenstopp im letzteren, um dann – wie geplant – gegen 15 Uhr in Biehla am Gemeindeamt anzukommen. Hier wurden sie mit großem Beifall empfangen.

Worte, „Ratifizierung" und Baumpflanzung

Dann wurde improvisiert, denn es waren so viele Menschen da, dass sie nicht in den Beratungsraum im Gemeindeamt gepasst hätten. Schnell waren zwei Stühle und ein Tisch aufgestellt, an dem später Oberbürgermeister Roland Dantz und der Bürgermeister von Schönteichen, Maik Weise, Platz nehmen sollten, um die „Ratifizierung“ der – jetzt auch vom Kamenzer Stadtrat bestätigten – Eingliederungsvereinbarung vornehmen sollten.

Doch zunächst ließen beide in ihren Worten noch einmal deutlich werden, dass dies ein wichtiger Tag für beide Kommunen sei und dass man es sich – sowohl Schönteichen als auch Kamenz – nicht leicht gemacht habe, um dieses Resultat zu erzielen.

Bürgermeister Maik Weise wies nicht zu Unrecht darauf hin, dass es für Schönteichen auch finanzielle Gründe waren, den Schulterschluss mit Kamenz zu suchen, gewissermaßen eine „Einsicht in die Notwendigkeit“. Aber, so Bürgermeister Weise, mit Kamenz habe man „einen starken Partner“ gefunden, zu dem es jetzt schon, ob nun auf familiärer Arbeitseben (Schönteichener arbeiten in Kamenz) oder auf kommunaler Arbeitsebene (Verwaltungsgemeinschaft) vielfältige Beziehungen bestehen. Oberbürgermeister Dantz knüpfte daran an, hob aber auch noch einen anderen Gesichtspunkt hervor: Das „Kunstgebilde Schönteichen“ verliert nach fast 30 Jahren seine Gültigkeit, dies sei aber kein Grund zu trauern, denn „eins wird bleiben, die Gemeinde Schönteichen wird mit der Unterschrift von heute, sozusagen, in der Stadt Kamenz aufgehen, eingegliedert werden, aber die Ortsteile Biehla, Cunnersdorf, Petershain, Schwosdorf, Brauna usw., Schönbach, die werden bleiben mit ihrer jahrhundertalten Geschichte. Und das liegt uns auch am Herzen an dieser Stelle“, worauf spontan Beifall geklatscht wurde. Im Übrigen führte Oberbürgermeister Dantz aus, dass mit den Bürgerentscheiden, den Beschlüssen des Stadtrates und den heutigen Unterschriften unter der Eingliederungsvereinbarung erst der erste Schritt getan sei, jetzt ginge es darum, zum einen die praktischen Schritte der Umsetzung der Eingliederung zu vollziehen, was auch eine Herausforderung für alle Beteiligten, einschließlich der Kamenzer Verwaltung sei, und zum anderen die Zukunft für das Gebiet von Schönteichen zu gestalten, was der Anstrengungen aller bedarf. Aber, so der Oberbürgermeister, heute sei der Tag zu feiern.

Dazu gehörte auch die Baumpflanzung am Biehlaer Kindergarten. Der Baum ist ein Symbol für das gesunde und stete Gedeihen des dann viel größeren Gemeinwesens „Kamenz“. Unter großer und auch praktischer Anteilnahme der anwesenden Festteilnehmer wurde dann ein Amberbaum, vorbereitet durch Mitarbeiter der KDK GmbH, eingepflanzt, versehen mit einem Schild, dessen Inhalt so lautete: „Amberbaum (Liquidamber styraciflura) – Gepflanzt am 3. Oktober 2018 anlässlich der Eingliederung der Gemeinde Schönteichen in die Stadt Kamenz“.

Die „Einheitsfeier“ der besonderen Art kann beginnen

Im Anschluss an die Baumpflanzung luden Bürgermeister Weise und Oberbürgermeister Dantz zur „Einigungsfeier“ auf den Biehlaer Sportplatz ein – es war eine Einladung, der viele Biehlaer bzw. Schönteichner, aber auch anwesende Kamenzer Einwohner gern folgten. Bei dann überwiegendem Sonnenschein ließen es sich die Festteilnehmer bei Kaffee und Kuchen, der dankenswerterweise, organisiert über den Biehlaner e.V., von Biehlaer Einwohnern gebacken und noch Kuchen von in Kamenz ansässigen Bäckereien „Kahre“, „Selnack“ und „Garten“ komplementiert wurde. Gemeinsam mit dem Gemeinderat hatte der SV Biehla - Cunnersdorf das Gelände um das Gebäude am Sportplatz hergerichtet, so dass bei gegrillten Würstchen, aber auch bei einem Glas Bier der getane Schritt „begossen“ werden konnte. Apropos Bier: Die Stadt Kamenz ließ es sich nicht nehmen, zwei Fässer der Meissner Schwerter Privatbrauerei anlässlich der Eingliederung zu stiften. Beide Bürgermeister stachen dann die Bierfässer an, deren Inhalt großen Zuspruch fand.

Und damit sich die Kinder nicht langweilten konnten sie basteln und sogar auf Pferden reiten. Ganz symbolisch, aber nicht nur, war ein Fußballspiel der E-Jugend zwischen der SV Einheit Kamenz und der SV Biehla – Cunnersdorf. Die zehn- bis elfjährigen Spieler und Spielerinnen beider Mannschaften gaben ihr Bestes. Natürlich gab es eine Gewinnermannschaft, aber an diesem Tag stand der Sieg nicht so sehr im Vordergrund als vielmehr die Freude am gemeinsamen Fußballspiel.

Ausblick

Die erste Etappe – die Entscheidung zur Eingliederung – ist geschafft. Nun folgen die notwendigen „Mühen der Ebene“. Wenn man die Freude und den Enthusiasmus am 3. Oktober in Biehla als Zeichen nimmt, bei allen Ecken und Kanten, die sicherlich auftreten werden, so sollte diese Zuversicht ein guter Motor für den weiteren Eingliederungsprozess sein.

05.10.2018