Georg Baselitz ist tot: Er ver- starb im Alter von 88 Jahren

Vor wenigen Tagen, am 30. April 2026, mussten wir erfahren, dass Georg Baselitz im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

Geboren wurde er 1938 als Hans-Georg Bruno Kern in Deutschbaselitz. Seine Familie zog 1950 nach Kamenz, wo er das Gymnasium besuchte und ersten privaten Zeichenunterricht beim Kamenzer Künstler Gottfried Zawadzki nahm. Danach beginnt sein Weg in die Welt. Wird er 1955 noch an der Kunstakademie Dresden abgelehnt, bewirbt er sich ein Jahr später erfolgreich an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Nach seiner Verweisung von dieser Hochschule, wird er – wiederum ein Jahr später – an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin angenommen und kann somit das Studium der Kunst fortsetzen, dass er 1962 mit einem Meisterschüler-Diplom abschließt.  Spätestens 1963 – mit der berühmt-berüchtigten Einzelausstellung in der Westberliner Galerie Werner & Katz – ist sein künstlerischer Durchbruch da.  

Anschließend – in den 70-er Jahren – war es sein "Markenzeichen", dass er die Bilder "auf dem Kopf" malte und somit weg vom Motiv des Bildes und hin zur Komposition, zum Eigenwert der Farben und des malerischen Stils führte. Schon damit ist er in die Kunstgeschichte eingegangen und hat ihr eine neue Richtung gegeben bzw. mindestens eine weitere Facette hinzugefügt. Auch in der Folgezeit wusste er bis ins hohe Alter die Kunstwelt immer wieder zu überraschen, sei es durch großformatige, rohe Holzplastiken oder seine Remix-Bilder. Er war bis zuletzt schöpferisch tätig.

Georg Baselitz blieb als Mensch und Künstler auf seine Weise immer der Heimat, dem Ort seiner Kindheit und Jugend, verbunden. Sie war vielschichtig ein Teil seiner Wurzeln. Anders wäre es auch nicht zu erklären, dass er Anfang der 60-er Jahre den Namen Baselitz annahm. Er selbst bezeichnete sich einmal als „renitenter Typ“, und er war in vielen Situationen wortgewaltig, aber auch handelnd zur Stelle. Dafür ließen sich viele Beispiel finden: So kam er zu DDR-Zeiten mit der Doktrin des Sozialistischen Realismus und dessen Vertretern in Konflikt, stellte er sich aber auch dem zu dieser Zeit im Westen herrschenden Stil der abstrakten Malerei entgegen und entwickelte seine eigene, expressiv-figürlichen Malweise.

Sein Schaffen war von seinen biografischen Ursprüngen in der Lausitz geprägt, auch wenn diese im Laufe seines künstlerischen Lebens von vielen anderen Einflüssen überlagert oder zumindest modifiziert wurden.

Er hat – auch als berühmter Künstler – seine Heimat besucht, aber immer wenig Gewese darum gemacht. Er fühlte sich ihr verbunden, was sich u.a. darin zeigte, dass er 1999 die Sanierung der Kamenzer Katechismuskirche initiierte und mit dem Verkauf von 35 Exemplaren der Grafik "Melancholica" unterstützte. Ein Jahr zuvor trug er sich im Rahmen einer Ausstellung in der Klosterkirche ins "Goldene Buch der Stadt Kamenz" ein. Dort stand – bezeichnenderweise – geschrieben: „… in meinem Pass steht geschrieben: Geburtsort Kamenz“. Das seitens der Stadt ambitioniert vorangetriebene Projekt eines Baselitz-Museums in Kamenz scheiterte leider letztendlich. Vorgesehen war dafür – mit den entsprechenden Umbauten – das Barmherzigkeitsstift. 2018 präsentierten die Städtischen Sammlungen Kamenz ein Kulturprogramm anlässlich des 80. Geburtstages des Künstlers. Und auch in die 800-Jahr-Feierlichkeiten brachte er sich mit dem Entwurf eines Motivs für den Einband eines geplanten Stadtlexikons ein.

Mit dem Tod von Georg Baselitz endet ein bewegtes Künstlerleben, das hier in unserer Region, in unserer Stadt begann. Er selbst hat sich, mindestens von seiner Herkunft her, als Kamenzer gesehen. Wir würdigen daher einen der unseren, aber vor allem einen Künstler, der nachhaltig die Kunstentwicklung des 20. und 21. Jahrhunderts prägte und der ein umfangreiches und vielseitiges Werk hinterlässt.

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