Kunst in Kamenz

Kunst in ihren zahlreichen Formen besitzt einen großen Stellenwert in Kamenz und es hat sich eine vielseitige Kunstszene in der Lessingstadt etabliert. Verschiedene freischaffende Künstler wirken vor Ort. Unterschiedliche Sonderausstellungen in den städtischen Museen greifen wiederholt regionale Künstler und ihre Werke auf. Ein wesentlicher Teil des Kulturbereichs ist zudem durch bedeutende Künstler geprägt, die einst in Kamenz aufgewachsen sind. Alle aktuellen Kunst-/ Sonderausstellungen sind im Veranstaltungskalender zu finden.


Kunstaustellungen in den städtischen Museen

In den verschiedenen Sonderausstellungen der Kamenzer Museen liegt der Fokus wiederholt auf zeitgenössischer Kunst, ortsverwandte Themen und Werke regionaler Künstler. Insbesondere die Galerie des Sakralmuseums, die Klosterkirche, das Malzhaus/ Stadtgeschichtliches Museum sowie gelegentlich der Innenhof des Kamenzer Rathauses beherbergen als Ausstellungsräume vielfältige Kunstwerke.

Aktive Kunstszene in Kamenz

In und um Kamenz hat sich eine sehr aktive und kreative Kunstszene entwickelt. Das Repertoire ist vielfältig.
 
Freischaffende Künstler mit Kamenzer Bezug sind unter anderem:
 


Weitere Künstler aus Kamenz

Georg Baselitz - Maler und Bildhauer

Am 23. Januar 1938 wurde Georg Baselitz als Hans-Georg Kern im heutigen Kamenzer Ortsteil Deutschbaselitz geboren. Vater Johannes Kern (Lehrer) heiratete die Kamenzerin Lieselotte Block. Die Familie hat drei Söhne und eine Tochter und war wohnhaft im Schulhaus in Deutschbaselitz. Hans-Georg Kern verbrachte seine Kindheit in unmittelbarer Umgebung. Oft hielten sich die Kinder am Sandteich auf. Das Hügelgrab oberhalb des Hofeteiches und die große Wiese am Ortseingang aus Richtung Kamenz waren ebenfalls beliebte Spielplätze. Während der Kriegszeit sorgte die Mutter allein für die Kinder und informierte den Vater per Feldpost über deren Entwicklung. In den Kriegswirren wurde das Schulhaus in Deutschbaselitz angegriffen. Beim Spielen mit Patronenhülsen verletzte sich Hans-Georg Kern am Kopf und wurde im Barmherzigkeitsstift in Kamenz behandelt. 1949 erfolgte der Umzug in die Kreisstadt Kamenz. Schon sehr früh entdeckte Hans-Georg Kern das Zeichnen. Der Kamenzer Maler Gottfried Zawatzki gab ihm erste Impulse für seine künstlerische Laufbahn. Seine persönliche, künstlerische Entwicklung seit 1957 und die gesellschaftlichen Umstände erschwerten den Kontakt zur Familie und zur Heimat. Die Themen Heimat, Familie und Landschaft spiegeln sich seit der Öffnung der innerdeutschen Grenzen in seinen Bildern verstärkt wieder.

Nachruf auf Georg Baselitz

23. Januar 1938 – 30. April 2026

Am 30. April 2026 mussten wir erfahren, dass Georg Baselitz im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

Geboren wurde er 1938 als Hans-Georg Bruno Kern in Deutschbaselitz. Seine Familie zog 1950 nach Kamenz, wo er das Gymnasium besuchte und ersten privaten Zeichenunterricht beim Kamenzer Künstler Gottfried Zawadzki nahm. Danach beginnt sein Weg in die Welt. Wird er 1955 noch an der Kunstakademie Dresden abgelehnt, bewirbt er sich ein Jahr später erfolgreich an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee. Nach seiner Verweisung von dieser Hochschule, wird er – wiederum ein Jahr später – an der Hochschule für Bildende Künste in Westberlin angenommen und kann somit das Studium der Kunst fortsetzen, dass er 1962 mit einem Meisterschüler-Diplom abschließt. Spätestens 1963 – mit der berühmt-berüchtigten Einzelausstellung in der Westberliner Galerie Werner & Katz – ist sein künstlerischer Durchbruch da.  

Anschließend – in den 70-er Jahren – war es sein "Markenzeichen", dass er die Bilder "auf dem Kopf" malte und somit weg vom Motiv des Bildes und hin zur Komposition, zum Eigenwert der Farben und des malerischen Stils führte. Schon damit ist er in die Kunstgeschichte eingegangen und hat ihr eine neue Richtung gegeben bzw. mindestens eine weitere Facette hinzugefügt. Auch in der Folgezeit wusste er bis ins hohe Alter die Kunstwelt immer wieder zu überraschen, sei es durch großformatige, rohe Holzplastiken oder seine Remix-Bilder. Er war bis zuletzt schöpferisch tätig.

Georg Baselitz blieb als Mensch und Künstler auf seine Weise immer der Heimat, dem Ort seiner Kindheit und Jugend, verbunden. Sie war vielschichtig ein Teil seiner Wurzeln. Anders wäre es auch nicht zu erklären, dass er Anfang der 60-er Jahre den Namen Baselitz annahm. Er selbst bezeichnete sich einmal als „renitenter Typ“, und er war in vielen Situationen wortgewaltig, aber auch handelnd zur Stelle. Dafür ließen sich viele Beispiel finden: So kam er zu DDR-Zeiten mit der Doktrin des Sozialistischen Realismus und dessen Vertretern in Konflikt, stellte er sich aber auch dem zu dieser Zeit im Westen herrschenden Stil der abstrakten Malerei entgegen und entwickelte seine eigene, expressiv-figürlichen Malweise.

Sein Schaffen war von seinen biografischen Ursprüngen in der Lausitz geprägt, auch wenn diese im Laufe seines künstlerischen Lebens von vielen anderen Einflüssen überlagert oder zumindest modifiziert wurden.

Er hat – auch als berühmter Künstler – seine Heimat besucht, aber immer wenig Gewese darum gemacht. Er fühlte sich ihr verbunden, was sich u.a. darin zeigte, dass er 1999 die Sanierung der Kamenzer Katechismuskirche initiierte und mit dem Verkauf von 35 Exemplaren der Grafik "Melancholica" unterstützte. Ein Jahr zuvor trug er sich im Rahmen einer Ausstellung in der Klosterkirche ins "Goldene Buch der Stadt Kamenz" ein. Dort stand – bezeichnenderweise – geschrieben: „… in meinem Pass steht geschrieben: Geburtsort Kamenz“. Das seitens der Stadt ambitioniert vorangetriebene Projekt eines Baselitz-Museums in Kamenz scheiterte leider letztendlich. Vorgesehen war dafür – mit den entsprechenden Umbauten – das Barmherzigkeitsstift. 2018 präsentierten die Städtischen Sammlungen Kamenz ein Kulturprogramm anlässlich des 80. Geburtstages des Künstlers. Und auch in die 800-Jahr-Feierlichkeiten brachte er sich mit dem Entwurf eines Motivs für den Einband eines geplanten Stadtlexikons ein.

Mit dem Tod von Georg Baselitz endet ein bewegtes Künstlerleben, das hier in unserer Region, in unserer Stadt begann. Er selbst hat sich, mindestens von seiner Herkunft her, als Kamenzer gesehen. Wir würdigen daher einen der unseren, aber vor allem einen Künstler, der nachhaltig die Kunstentwicklung des 20. und 21. Jahrhunderts prägte und der ein umfangreiches und vielseitiges Werk hinterlässt.

Zu Ehren des 80. Geburtstags von Georg Baselitz veranstalteten die Städtischen Sammlungen Kamenz im Jahr 2018 ein Kulturprogramm.


Gottfried Zawadzki - Ein Leben für die Kunst

Der weit über die Region hinaus bekannte Kamenzer Künstler Gottfried Zawadzki ist am 6. März 2016 verstorben. Damit verlor Kamenz den „Nestor“ der Kamenzer Künstlerwelt. Er hat sich unmittelbar nach der Kriegszeit in die sächsische Kulturszene/-landschaft, aber auch international eingebracht. Zahlreiche Ausstellungen haben seinen Ruf begründet, der weit über die Grenzen Sachsens hinaus reicht. Mit vielen Ausstellungen bereicherte er das Kulturleben von Kamenz, so sei an dieser Stelle noch einmal an die mit einem städtischen Festakt anlässlich seines 90. Geburtstages verbundene Ausstellung in der Klosterkirche St. Annen erinnert. Nicht zu vergessen ist die Gestaltung von zahlreichen Kirchenräumen, gleich ob katholischer oder evangelischer Provenienz, die bis 1989 sein Leben als Künstler entscheidend mit beeinflusst haben.

 

Auszug aus dem Geleitwort des Oberbürgermeisters Roland Dantz zum 90. Geburtstag von Gottfried Zawadzki im Mai 2012:

"Gottfried Zawadzki kann auf ein erfülltes Künstlerleben zurückblicken. (…) Geboren in Kamenz 1922, begann alles mit der Lehre als Dekorationsmaler in den Jahren 1937-40, gefolgt von seinem Studium der Malerei und Raumgestaltung ab September 1943 an der Kunstgewerbe-Akademie in Dresden. Zuvor hatte er als Soldat schwer verletzt und nur knapp den 2. Weltkrieg überlebt. Die Anlagen des Künstlerischen bei Gottfried Zawadzki wurden ab dem Jahr 1947 weiter gefördert durch das Studium an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, in Wandmalerei bei Professor Carl Rade und in freier Grafik bei Professor Hans Theo Richter, denen er vieles verdankt. 1953 erhielt er sein Diplom und war dann freischaffend als Maler und Grafiker in Dresden tätig bis er 1963 den Mittelpunkt nach Kamenz, seinem Geburtsort, verlegte. Sicher hat ihn Dresden, Kamenz, die Region als Mensch und Künstler geprägt, doch waren es auch die für eine bestimmte Art von Künstlern so lebens- und schaffensnotwendigen Studienreisen, so nach Polen, Ungarn, Marokko, Israel, Peru, Skandinavien, um nur einige zu nennen, die ihm menschliche Begegnungen ermöglichten und ihn neue Landschaften und Sichten kennen lernen ließen. Der Entdeckung der großen Welt in all den Jahren, die der Kunst darin eingeschlossen, stand ein Familie – die kleine Welt – bei, ohne deren Verständnis und „Mitgehen“ Gottfried Zawadzki nicht der Künstler hätte sein können, der er heute ist. (...)"
"Sein künstlerisches Schaffen hat öffentliche Würdigung erfahren – so wurde ihm 1987 die Barlachmedaille und 1993 der Oberlausitzer Kunstpreis verliehen. Höhepunkt der öffentlichen Ehrung war die Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Diese bekam er nicht nur in Würdigung seines künstlerischen Schaffens vor und nach 1989, sondern auch als Mentor für Kunstinteressierte und -erzieher, Studenten und Schüler, denen er in ehrenamtlichen Lehrgängen seine Kunst- und Lebenserfahrungen vermittelte. Hierzu gehört auch der 1990 gegründete Westlausitzer Kunstverein, dem er jahrelang prägend vorstand und durch den maßgeblich eine neue Generation von Künstlern aus Kamenz und Umgebung entstand. Gottfried Zawadzki kann auch hier stolz zurückblicken, war er es doch, der zum Anreger, Begleiter und Partner dieser jungen Künstlerinnen und Künstler wurde. Und so hat er auch Anteil am Weltruhm eines Georg Baselitz, der bei ihm die ersten Schritte in die Welt der Kunst tat. Sicherlich wäre es vermessen zu sagen, ohne Gottfried Zawadzki gäbe es keinen Georg Baselitz; er wäre aber vielleicht ein anderer, wenn Gottfried Zawadzki nicht gewesen wäre (…)"
 
Weitere Informationen zu Gottfried Zawadzki finden Sie unter www.malerei-zawadzki.de.