Lessing und kein Ende ... Vortrag in der Stadtbibliothek

Jonas Klawitter stellt in der Stadtbibliothek die Ergebnisse seiner Bachelorarbeit vor

Letzten Freitag (9. Oktober) war die Stadtbibliothek wieder einmal sehr gut gefüllt. Im Rahmen einer Veranstaltung des Kamenzer Geschichtsverein hielt Jonas Klawitter, Kamenzer, selbst Vereinsmitglied, ehemaliger Lessingschüler und zurzeit Geschichtsstudent an der Universität Potsdam, den Vortrag „Ein Denkmal für den größten Sohn der Stadt. Die Lessingfeier in Kamenz 1863 im Kontext der deutschen Nationsbildung“ und wusste damit, Lessing-Freunde und Geschichtsinteressierte zu gewinnen. Dabei ging es weniger um literaturgeschichtliche Rezeptionsaspekte, sondern vielmehr darum, wie der Autor der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing, – und gleichsam Schiller und Goethe – in die deutsche Nationsbildung einbezogen wurde, die bekanntermaßen – und vielleicht bezeichnend – 1871 politisch im Spiegelsaal von Versailles vollzogen wurde, als König Wilhelm von Preußen zum Kaiser Wilhelm I. ausgerufen wurde. Später wird dieses Ereignis als Gründungstag des Deutschen Kaiserreichs in die Geschichte eingehen.

Hintergrund für die Untersuchungen von Jonas Klawitter war eine Lessingfeier in Kamenz 1863, die weder einen runden Geburtstag noch ein besonderes Todesjubiläum Lessings zum Ausgang hatte. Faktenreich und sehr anschaulich erläuterte der Referent den Werdegang der Überlegungen zu der Lessingfeier in Kamenz und zur Aufstellung einer Lessingbüste, die von dem im 19. Jahrhundert bekannten Leipziger Bildhauer Hermann Knaur geschaffen wurde. Die „Kolossalbüste“ stand zunächst auf dem heutigen Schulplatz, wo sie mit Pomp und großer Anteilnahme der Kamenzer Bevölkerung aufgestellt und eingeweiht wurde.

Später erhielt sie mit der Eröffnung des Lessinghauses 1931 einen neuen Standort auf dem dortigen Vorhof, wo sie noch heute steht. Für seine Arbeit hat Jonas zahlreiche Quellen – Briefe, die Festordnung, Reden und Gesänge der Feier, Zeitungsberichte, Stadtratsprotokolle und historische Bilder – ausgewertet und dafür sowohl mit dem Stadtarchiv Kamenz als auch mit dem Lessing-Museum und der Arbeitsstelle für Lessing-Rezeption zusammengearbeitet.

Deutlich wurde, dass Lessing in einen Kontext der deutschen Nationsbildung geriet, der vermutlich durch sein Schaffen und seine Werke so nicht legitimiert scheint. Damit befand er sich in „guter Nachbarschaft“ zu Goethe und Schiller. Jonas Klawitter hat sich dem Phänomen „Lessing“ aus historischer Sicht genähert und diese Art von Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte des großen Aufklärers beschrieben. Dabei hat er auch auf ein wichtiges Stück Kamenzer Stadtgeschichte bzw. deren Verzahnung mit politischer und Kulturgeschichte aufmerksam gemacht. Wer mehr über dieses Kapitel erfahren möchte, wird dies in absehbarer Zeit tun können, denn zumindest dem Stadtarchiv und dem Lessing-Museum wird Jonas Klawitter ein Belegexemplar seiner Bachelor-Arbeit übergeben.

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