Protest und Hoffnung: Gegen Abbau med. Leistungen
Man darf nicht alles wortlos hinnehmen
Ein offener Informations- und Gesprächsabend im Stadttheater
Es waren jetzt nicht so viele Menschen wie bei der Kundgebung am 1. Mai, die den Weg ins Stadttheater am Vorabend des Feiertages fanden. Aber es waren immerhin über 80 Kamenzerinnen und Kamenzer und natürlich auch Auswärtige, denen das Schicksal der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Herzen lag. Begrüßt wurden sie durch den Oberbürgermeister Michael Preuß und Maik Fabisch, Sprecher der Initiative „Bündnis für Zukunft - zivilgesellschaftliche Aktion für den Erhalt des Kamenzer Kreißsaales“. Neben Stadt- und Kreisräten waren Vertreter der betroffenen Klinik, des Vereins Mother Hood, Hebammen sowie vom Deutschen Kinderbund/Ortsverband Kamenz anwesend. So bunt die Zusammensetzung so vielfältig die Bekundungen und Meinungsäußerungen.
Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Auftritt des Kamenzer Chores MonTakt. Was alle Anwesenden im Saal einte, war der Wille, die Entscheidung der Geschäftsleitung des Kamenzer Krankenhaus nicht wortlos hinzunehmen. Dies machte auch Oberbürgermeister Michael Preuß deutlich, der noch einmal Revue passieren ließ, was seitens der Stadtverwaltung, gemeinsam mit dem Stadtrat, unternommen wurde, um die Schließung der Klinik zu verhindern. Den Verlust verdeutlichte er anhand von Folien, die die räumliche Lage des Kamenzer Krankenhaus sowie von Krankenhausstandorten in Meißen, Dresden, Hoyerswerda und Bautzen zeigten. Es gehe immerhin um ein Einzugsgebiet von ca. 75.000 Menschen, das sich in und vor allem um das Mittelezentrum lagert. Zum anderen legte er das Augenmerk darauf, dass das Krankenhaus eventuell insgesamt gefährdet sei, obwohl dies von der Geschäftsleiterin Jana Uhlig dementiert wurde. Aber man erinnere sich an den Januar dieses Jahres, wo es hieß, dass eine Schließung der Klinik nicht zur Debatte stände ...
Maik Fabisch erläuterte, dass das Kamenzer Problem ein bundesweites ist. Es gehe, so Fabisch, darum Familien- und Kinderfreundlichkeit insgesamt zu erhalten. Daher heiße es jetzt, an die Bundestagsabgeordneten heranzutreten und sich bundesweit mit anderen Initiativen zu vernetzen.
Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Kreisräten will das Gespräch mit dem Landrat suchen, um möglichst zeitnah in einer Sondersitzung des Kreistages, eine Lösung für die Klinik zu finden. Dazu ziehen sie das Krankenhausgesetz heran, dass die Möglichkeit von Regionalkonferenzen für die Ausrichtung der medizinischen Versorgung vorsieht, bei der der Krankenhausträger, der Freistaat sowie der Landkreis gemeinsam beraten und entscheiden. Diesen Vorgang möchten sie seitens des Landkreises initiieren. Bisher habe, so einer der Kreisräte, eine solche Regionalkonferenz nicht stattgefunden. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass sich das Krankenhaus bzw. die Klinik im sorbischen Siedlungsgebiet befände, wo eine besondere Fürsorgepflicht für die sorbische Minderheit gegeben ist.
War der erste Teil des Abends von Positionsbestimmungen der einzelnen Initiativen bestimmt, gab es im zweiten Teil eine offene Gesprächsrunde, für die neben dem Oberbürgermeister und Maik Fabisch, u.a. auch Hebammen und Ärzte sowie Vertreterinnen vom Verein Mother Hood und vom Deutschen Kinderbund und auch Kreisrat und OB a.D. Roland Dantz im Podium Platz nahmen. Daraus entwickelte sich, vom Bündnismitglied Jolyn Schenderlein moderiert, ein reger Dialog mit Fragen und zum Teil sehr emotionalen Statements. Wie ernst die Lage ist, machten die Ausführungen des Chefarztes der Gynäkologie MU Dr. Pavel Rubeš deutlich, der mitteilte, dass schon ein Teil des ärztlichen Personals gekündigt sei bzw. versetzt werde. Da ist es nur ein geringer Trost, wenn das Seenlandklinikum Hoyerswerda vermeldet, dass u.a. die Hebammensprechstunde, die Elterninformationsveranstaltungen sowie das Schwangeren-Schwimmen soll in Kamenz weiter fortgeführt werden sollen.
Insgesamt war es kein Abend der völligen Hoffnungslosigkeit, eher machte er deutlich, dass mit der Schließung der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe ein Punkt erreicht ist, der nicht wortlos hingenommen werden kann und der Anlass ist, sich über die medizinische Versorgung in Kamenz und für die Region ernsthaft Gedanken zu machen. Dies unterstreicht auch eine von der Initiative "Bündnis für Zukunft - zivilgesellschaftliche Aktion für den Erhalt des Kamenzer Kreißsaales“ gestartete Unterschriftenaktion, bei der fast alle Anwesenden der Veranstaltung unterschrieben. Darin heißt es in der Präambel u. a.: "Mit meiner Unterschrift unterstütze ich den Erhalt des Krankenhauses Kamenz sowie eine verlässliche, wohnortnahe medizinische Versorgung im ländlichen Raum Sachsens. Die Unterschriftenliste richtet sich an die politischen Entscheidungsträger des Freistaates Sachsen, insbesondere an Ministerpräsident Michael Kretschmer, und an Vertreter des Bundes sowie an die verantwortlichen Stellen im Gesundheitswesen."

