Problemdiskussion ja - Schwarzmalerei nein
Liebe Kamenzerinnen, liebe Kamenzer,
sehr geehrte Interessierte,
die Beratung des Kreistages in Bautzen am vergangenen Montag hat bemerkenswerte Themen, welche auch unmittelbar auf Kamenz wirken, hervorgebracht. Hinzu kommt eine, meiner Auffassung nach, überspitzte Darstellung in der regionalen Presse. Aus diesen Gründen habe ich mich entschieden, Ihnen noch einmal meine Sichtweise auf die Dinge darzustellen:
Zum Ersten: Das Infragestellen des Kamenzer Krankenhauses
Wir mussten alle erleben, wie in Teilen rücksichtslos die Geschäftsführung und der Gesellschafter des Kamenzer St. Johannes Krankenhauses mit der Geburtenstation und damit mit werdenden Müttern umgegangen ist.
Warum ist das so? Dazu ist viel richtiges gesagt worden; zusammengefasst vielleicht so viel: Geburtshilfe und gewinnorientierte Unternehmen passen inhaltlich nicht zusammen. Dass dies in unserem hoch entwickelten Land so möglich ist, dadavonkann sich jeder sein eigenes Bild machen. Die jetzt im Kreistag vorgestellte Untersuchung zur Absicherung der medizinischen Versorgung im Landkreis Bautzen hat die erwartbaren Ergebnisse gebracht. Daraus aber abzuleiten, dass das Krankhaus in Kamenz keine Zukunft hat, diese Diskussion und diese mediale Darstellung halte ich für schlichtweg unangemessen, wenn nicht gar für skandalös und in der Sache völlig unzutreffend. Wenn es das Ziel von Berichterstattung sein sollte, den ländlichen Raum und das Mittelzentrum Kamenz mit seinen Versorgungsfunktionen zu schwächen, dann halte ich an diesem Punkt dagegen. Das Kamenzer Krankenhaus wird auch in Zukunft benötigt. Die beiden Schwerpunktversorger in Bautzen und Hoyerswerda haben ihre Funktion, aber klar ist, ohne den Standort in Kamenz entsteht eine s.g. Versorgungslücke. Und über die Funktion des Mittelzentrums entsteht für Kamenz so oder so eine Versorgungsaufgabe für einen ländlich geprägten Raum und damit für rd. 60.000 – 70.000 Menschen – dies lässt bewusst oder unbewusst die mediale Berichterstattung völlig außen vor. Ich kann nur ermuntern, lasst uns die Dinge in Kamenz nicht kaputtreden. Ich stehe, wie viele andere auch, ausdrücklich zu unserem Krankenhaus, auch wenn eine schwierige Zeit hinter uns liegt. Und ich stehe zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die das Krankenhaus durch ihre tägliche Arbeit mit Leben erfüllen. Klickzahlen in den sozialen Medien stehen leider sehr oft diametral zu journalistisch ausgewogener Arbeit.
Zum Zweiten: Abgabe der Trägerschaft „Museum der Westlausitz“
Die unausgewogene finanzielle Ausstattung der öffentlichen Hand und die offensichtlich nicht mehr kontrollierbaren Sozialausgaben haben den Landkreis Bautzen dazu bewogen, den Kreisräten den Vorschlag zu unterbreiten, die Trägerschaft am „Museum der Westlausitz“ abzugeben. Doch wohin und vor allem wann? Und warum schwächt man so Kultur? Ich kann von meiner Seite sagen, ich stehe mit der Museumsleitung im engen Austausch, und ich werde mich in den kommenden 14 Tagen mit den Fraktionsspitzen des Kreistages treffen (und ich hoffe, es besteht Interesse an einem solchen Gespräch).
Was ist das Ziel? Die klare Zielstellung besteht darin, den Museumsbetrieb in Kamenz aufrecht zu halten. Und die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Ja, und wir müssen uns dazu Fragen stellen! Wie sieht die Museumslandschaft der Zukunft in Kamenz aus? Können wir Kräfte bündeln? Können wir auch über neue Betreiberstrukturen nachdenken? Diese Fragen müssen beantwortete werden. Was wir aber dafür brauchen, ist Zeit! Und dafür ist es notwendig, dass der Kreistag in seiner Beratung Ende November uns allen diese Zeit gibt und sich gegen Abgabe der Trägerschaft zum 31. Dezember 2027 ausspricht. Vielmehr sollte die Aufgabe darin bestehen, Trägermodelle zu prüfen und dabei die Wirkung des Museums der Westlausitz in die Fläche des Landkreises Bautzen (und eben nicht nur in die Westlausitz!) angemessen zu berücksichtigen sowie auch den Einsatz der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu würdigen.
Zusammengefasst: Man kann die Stadt Kamenz und seine Einrichtungen zwar medial „herabwürdigen“, dies erfolgt aber nicht reaktionslos bzw. unwidersprochen! Wir sollten alle für unser Kamenz, für unsere lebenswerte Stadt und für den westlichen Teil des Landkreises fest einstehen – die guten Perspektiven sind auf unserer Seite! Denn beides – ein funktionierendes Krankenhaus und ein öffentlich wirksames Museum – sind zwei Seiten einer Medaille, wenn es um angemessene Lebensverhältnisse in einem ländlich geprägten Raum geht.
Ihr
Michael Preuß
Oberbürgermeister

